Unsere Weihnachtsgeschichte 2018: Canela und Canelo

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Canela und Canelo leb­ten mit rd. 150 ande­ren Hun­den in einem Mes­si­la­ger im spa­ni­schen Astu­ri­as. Es dau­er­te 16 Jah­re, in denen dort immer mehr Hun­de abge­ge­ben wur­den, bis das Gan­ze nicht mehr zu bewäl­ti­gen war und die Behör­den ein­schrit­ten und das Lager auf­lös­ten. Dabei hat­te die Betrei­be­rin nur den Hun­den hel­fen wollen…leider war sie nicht in der Lage, recht­zei­tig die Gren­zen des Mach­ba­ren zu erkennen.

11 spa­ni­sche Tier­schutz­ver­ei­ne küm­mer­ten sich um die Hun­de - sie soll­ten nicht auch noch in eine Per­re­ra gebracht und dort getö­tet wer­den. Sie brach­ten die meis­ten Hun­de in ihren eige­nen Refu­gi­en unter, eini­ge weni­ge fan­den in Spa­ni­en eine Pfle­ge­stel­le. Zuletzt wur­den noch rd. 20 Hun­de im Mes­si­la­ger von Tier­schüt­zern betreut, denn alle ver­füg­ba­ren Plät­ze waren besetzt.

Wir haben für eini­ge der Hun­de die Ver­mitt­lung über­nom­men und ein neu­es Zuhau­se in Deutsch­land gesucht. Das war nicht immer ein­fach, denn nie­mand wuß­te etwas Genau­es über die Hun­de. Hat­ten sie jemals in einer Fami­lie gelebt oder sind sie im Mes­si­la­ger zur Welt gekom­men? Und wenn sie irgend­wann ein­mal ein Zuhau­se hat­ten, wur­den sie dort gut behan­delt oder tru­gen sie eine Men­ge Ängs­te mit sich herum?

Auch das Alter der Hun­de konn­te nur grob geschätzt wer­den, in 16 Jah­ren gab es kei­ne Auf­zeich­nun­gen über die Hunde…

Die Ver­schlä­ge im Messilager

Canela und Canelo teil­ten sich einen Ver­schlag im Mes­si­la­ger. Die Tier­schüt­zer ver­mu­te­ten, dass es sich um Mut­ter und Sohn han­delt und stell­ten bald fest, dass Canelo so gut wie blind war. Das bedeu­te­te, dass wir für die bei­den ein gemein­sa­mes Zuhau­se fin­den muss­ten, denn Can­lo ori­en­tier­te sich sehr an Canela. Schlimms­ten­falls hät­ten wir sie getrennt ver­mit­telt, wenn wir für Canelo eine Fami­lie mit sou­ve­rä­nem Erst­hund gefun­den hätten…

Aber wir hat­ten Glück und fan­den sehr schnell eine lie­be­vol­le Pfle­ge­stel­le in Deutsch­land für die bei­den. Die ers­ten Wochen waren nicht ein­fach. Die bei­den waren inten­si­ven Kon­takt zu Men­schen nicht gewohnt und lie­ßen sich nur ungern anfassen…und lei­der waren sie auch nicht stu­ben­rein. Aber die Pfle­ge­stel­le hat es mit viel Lie­be und Geduld geschafft, dass die bei­den immer zutrau­li­cher wur­den und es dau­er­te auch nicht lan­ge bis sie ver­stan­den hat­ten, was “Gas­si gehen” bedeutet 🙂

Canela und Canelo in ihrer Pflegestelle

Das Pfle­ge­frau­chen ging mit Canelo zum Tier­arzt und nun ist es trau­ri­ge Gewiss­heit, der klei­ne Canelo ist blind und dar­an ist lei­der nichts zu ändern. ABER das tap­fe­re Kerl­chen hat­te sich längst mit die­ser Situa­ti­on arran­giert und lief mitt­ler­wei­le ganz sicher durch die Woh­nung sei­nes Pfle­ge­frau­chens, die er mit ande­ren Hun­den teil­te. Pro­ble­me gibt es kei­ne, im Gegen­teil, Canelo wur­de immer munterer.

Den Gang zum Tier­arzt hat er sehr gut gemeis­tert, er war zum ers­ten Mal an der Lei­ne in der Stadt unter­wegs, geführt durch die Stim­me sei­nes Pfle­ge­frau­chens. Für einen Hund, der nur ein Leben auf dem Mes­sig­rund­stück kann­te, ist es schon eine Leis­tung, sich in einer völ­lig frem­den Welt zurecht zu fin­den, für einen blin­den Hund ist es viel mehr, es ist der Beweis eines gren­zen­lo­sen Ver­trau­ens in uns – und das obwohl er bis­her wenig posi­ti­ve Erfah­run­gen mit uns Men­schen gemacht hat.

Canelo macht das Bes­te aus sei­ner Situa­ti­on. Unser klei­ner Lebens­künst­ler genießt sein Leben und dass er blind ist – nun, das ist eben so…

Canelo hat­te in der Pfle­ge­stel­le eine neue Lei­den­schaft ent­wi­ckelt, das Ball­spie­len. Er ori­en­tier­te sich an den Geräu­schen des Bal­les und fand es rich­tig klas­se, ihn zu suchen. Auch Canela ent­spann­te sich immer mehr, sie muss­te nicht mehr stän­dig auf Canelo auf­pas­sen und konn­te sich end­lich um sich selbst kümmern.

Die bei­den Schätz­chen haben in kur­zer Zeit eine tol­le Ent­wick­lung gemacht, aber wür­den wir auch ein neu­es Zuhau­se fin­den, in dem sie zusam­men blei­ben konnten?

Canela und Canelo im neu­en Zuhause

Die Ant­wort lau­tet: JA, wir haben ein wun­der­schö­nes Zuhau­se für die bei­den gefun­den. Canelo und Canela leben end­lich das Hun­de­le­ben, das wir ihnen gewünscht haben.

Canela liebt es mitt­ler­wei­le sehr, zu spie­len und bei­de begin­nen, ihre Strei­chel­ein­hei­ten ein­zu­for­dern. Drau­ßen sind sie mun­ter unter­wegs und freu­en sich anschlie­ßend auf ihre Kuschel­plät­ze in einer war­men Wohnung…das alles haben sie offen­sicht­lich nie gekannt.

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Wir bedan­ken uns bei der enga­gier­ten Pfle­ge­stel­le, die sich so rüh­rend um die bei­den klei­nen, unsi­che­ren Hun­de geküm­mert hat, und wir freu­en uns, dass die bei­den klei­nen Mäu­se es in ihrem neu­en Zuhau­se so gut getrof­fen haben. Wir wün­schen uns, dass auch die ande­ren Astu­ri­as-Hun­de, die noch nicht so viel Glück hat­ten und ein Zuhau­se suchen, bald ihre Men­schen finden.


Canela und Canelo, das war unse­re klei­ne Weih­nachts­ge­schich­te für 2018…bis hier­hin ein Hap­py-End und wir dach­ten, die bei­den hät­ten noch ein paar schö­ne Jah­re vor sich, aber es kam lei­der anders…


Das Schick­sal schlug uner­bitt­lich zu… wäh­rend wir berich­te­ten, dass end­lich auch die letz­ten Hun­de das Mes­si­la­ger in Astu­ri­as ver­las­sen konn­ten, ist der klei­ne Canelo über die Regen­bo­gen­brü­cke gegangen.

Der klei­ne, fröh­li­che, sei­nem Schick­sal trot­zen­de Canelo, er lebt nicht mehr… er war sehr krank… wie lan­ge schon, wis­sen wir nicht. Sämt­li­che frü­he­ren Unter­su­chun­gen waren ohne Befund…

Das sind die Momen­te, in denen sich ein­fach nur eine gro­ße Trau­rig­keit aus­brei­tet. Canelo hat­te es end­lich geschafft, ver­mut­lich nie­mals vor­her hat er in einem Haus gelebt oder war­me Kuschel­kis­sen gekannt und konn­te all das nur so kur­ze Zeit genie­ßen… wenigs­tens ist er nicht in die­sem schreck­li­chen Lager gestor­ben… aber das ist ein schwa­cher Trost. Wir haben ihm so sehr ein schö­nes, lan­ges und glück­li­ches Leben gewünscht.

Das trau­ri­ge an der Tier­schutz­ar­beit ist, ver­su­chen zu müs­sen das zu rich­ten, was acht­lo­se, teil­wei­se bru­ta­le, gleich­gül­ti­ge und grau­sa­me Men­schen den wehr­lo­sen Hun­den antun. Die­ses Elend immer wie­der zu sehen und doch nur so weni­gen hel­fen zu können…und wenn es dann end­lich geschafft ist und ein Hund eine neue Fami­lie fin­det, geliebt wird, wie­der Freu­de am Leben hat, dann pas­siert so etwas…

Wir sind sehr traurig…

Canelos Fami­lie und sei­ne ehe­ma­li­ge Pfle­ge­stel­le trau­ern mit uns um den klei­nen Hund, der alle so beein­druckt hat. Am meis­ten trau­ert Canela, sie weint, sucht Canelo, um den sie sich so rüh­rend geküm­mert hat. Ihr Frau­chen trägt sie nachts durchs Haus, Canela fin­det noch kei­ne Ruhe. Wir hof­fen, dass sie den Ver­lust über­win­det, ihre neue Fami­lie und die vor­han­de­nen Hun­de hel­fen ihr dabei.

Wir haben einen Brief von Canelos Fami­lie bekom­men, den wir am Ende die­ser Geschich­te hier ver­öf­fent­li­chen… und ein Foto von sei­nem Grab…

Canelo hat Weih­nach­ten in Deutsch­land nicht ken­nen ler­nen dür­fen. Ver­mut­lich hät­te er es auch nicht ver­stan­den, den geschmück­ten Baum im Zim­mer, die auf­ge­reg­ten Menschen…aber das gute Essen hät­te ihm sicher sehr gefallen.

Aber Weih­nach­ten ist nicht nur Kom­merz, Tan­nen­baum und gutes Essen, Weih­nach­ten hat auch eine besinn­li­che Sei­te und dazu passt unse­re Weih­nachts­ge­schich­te sehr gut, die trau­ri­ge Geschich­te von Canela und Canelo, die kein glück­li­ches Ende gefun­den hat.

Die Men­schen, die die bei­den Hun­de acht­los ent­sorgt haben, haben sie längst vergessen…wir und alle ande­ren Men­schen, die den bei­den gehol­fen haben, wer­den sie immer in Erin­ne­rung behal­ten. Wir wer­den nicht ver­ges­sen, dass zwei Hun­de, die von uns Men­schen fast ihr gan­zes Leben lang ent­täuscht wur­den, uns doch wie­der ver­traut haben.

Canelos neue Fami­lie schreibt in ihrem Brief, dass Canelo sie für immer ver­än­dert hat…er war viel mehr als ein über­flüs­si­ger, klei­ner Hund…

Wir wün­schen ein besinn­li­ches, nach­denk­li­ches Weihnachtsfest.

Brief sei­ner trau­ern­den Fami­lie an den klei­nen Canelo:

Mein lie­ber klei­ner Canelo,

ich war eben mit Dei­ner Mama und Gino Gas­sie. Dein Licht leuch­tet bis zum Teich den gan­zen Feld­weg ent­lang, auf dem wir zusam­men gelau­fen sind und Du vor Freu­de über die Wie­se Dei­ne Pur­zel­bäu­me geschla­gen hast. Mir lau­fen schon wie­der Trä­nen her­un­ter, aber ich möch­te der Welt berich­ten, was für ein tol­ler ein­ma­li­ger lebens­fro­her tap­fe­rer klei­ner gross­ser Mann Du warst. Vor zwei Tagen bist Du gegan­gen, ich muss­te Dich erlö­sen. Du bist auf mei­nem Schoss in mei­nen Armen ein­ge­schla­fen. Ich habe ver­sucht, Dir all mei­ne Lie­be mit­zu­ge­ben. Ich durf­te nur zwei Mona­te Dei­nes Lebens mit Dir ver­brin­gen. Es waren inten­si­ve mit Lie­be erfüllte Wochen. Durch Zufall blick­te ich im Inter­net in Dei­ne Augen und wuss­te, Du willst mit Dei­ner Mama zu mir. Alles klapp­te. Kur­ze Zeit danach durf­ten wir Dich von Dei­nem Pfle­ge­frau­chen abho­len, die Dich/​Euch ver­ständ­li­cher­wei­se am liebs­ten gar nicht mehr her­ge­ben woll­te. Die Nach­hau­se­fahrt mit Euch war eine ech­te Her­aus­for­de­rung, aber kaum ange­kom­men seid Ihr Bei­de durchs Haus und den Gar­ten gerannt, als wärt Ihr schon immer hier zu Hau­se. Vor Dei­ner Ankunft haben wir das gan­ze Haus umge­räumt, das Schlaf­zim­mer ins Erde­ge­schoss ver­legt, denn Du soll­test Dich nir­gend­wo stos­sen, denn Du warst blind. Aber Du warst so erstaun­lich sicher beim Lau­fen, dass ber­haupt nichts pas­siert ist, so sicher, dass Du es sogar geschafft hast, auf die Couch zu sprin­gen und dort Dei­ne Pur­zel­bäu­me zu schla­gen. Nur eines die­ser wun­der­schö­nen Erleb­nis­se. Es gäbe so vie­les zu berich­ten, dass ich nie damit auf­hö­ren könn­te. Punkt 12.30 Uhr bist Du in die Kche gekom­men, um mich dar­an zu erin­nern, dass Du und Dei­ne Mama ger­ne essen möchten.…Du warst aus medi­zi­ni­scher Sicht blind, aber ich weiss, dass Du viel mehr gese­hen hast, als wir Men­schen uns vor­stel­len kön­nen. Lei­der fingst Du schnell an zu hus­ten und der Tier­arzt ver­schrieb Anti­bio­ti­kum, dann Rachen­ab­strich, ande­res Anti­bio­ti­kum, Röntgen(Schatten auf der Lun­ge-unklar), Du hast Dich mehr und mehr zurückgezogen…Am Mon­tag mor­gen warst Du plötz­lich kalt und schwach. Wir sind sofort mit Dir zum Arzt, wur­den gleich in die Kli­nik wei­ter­ge­schickt. Dort nah­men sie Dich sta­tio­när auf. Es folg­ten wei­te­re Unter­su­chun­gen. Gegen 17.00 Uhr rief die Kli­nik an. Wir muss­ten Dich in die nächst­ge­le­ge­ne Spe­zi­al­kli­nik brin­gen. Dort waren wir gegen 19.00 Uhr. Um 21.00 Uhr bist Du gegan­gen. Einer Dei­ner Lun­gen­lap­pen war ver­dreht und bereits abge­stor­ben, der ande­re auffällig(Tumor?). Ich muss­te sofort eine Ent­schei­dung tref­fen. Ope­ra­ti­on oder.…Nachdem mir die Ope­ra­ti­on und die Chan­cen auf eine Gene­sung erklärt wur­den, ent­schied ich mich dage­gen. Die Vor­stel­lung, Dich der­art auf­schnei­den zu las­sen, tage­lang nicht zu Dir zu kön­nen, zu wis­sen, dass Du ganz allei­ne bru­ta­le Schmer­zen in einer Box ertra­gen musst und das gan­ze evtl. nicht schaffst, konn­te ich nicht ertra­gen. Ich hät­te alles getan, Dich zu ret­ten. Ich möch­te ver­ste­hen, was in Dei­nem Kör­per eigent­lich pas­siert ist. Aber hilft das? Dei­ne Mama hat sich zuhau­se von Dir ver­ab­schie­det, ges­tern haben wir Dich begra­ben, dort wo Du immer Dei­ne Kno­chen ver­bud­delt hast. Heu­te waren wir mit Dei­ner Mama in der Gärt­ne­rei, um etwas für Dein Grab zu kau­fen und die klei­ne Maus abzu­len­ken. Sie schläft nun bei mir oder ich bei ihr und sie weint die gan­ze Nacht. Die Lücke, die Du hin­ter­lässt ist nicht zu schlies­sen. Ich has­se alle Men­schen, die Euch lie­ben Wesen so schlim­me Din­ge antun und bin fast froh, dass Euch nicht sofort jemand woll­te, denn nur so bekam ich die Chan­ce, so ein­ma­li­ge Seel­chen ken­nen­zu­ler­nen. Ich fra­ge mich, wes­halb das Schick­sal so bru­tal ist. Dein Leben lang, vie­le end­lo­se Jah­re, muss­test Du so viel Leid ertra­gen, nur um geret­tet zu wer­den und dann NUR ein paar Wochen zu spüren, was Lie­be und Gebor­gen­heit ist. Manch­mal den­ke ich mir, viel­leicht wuss­test Du das alles und hast einen Platz für Dei­ne klei­ne tap­fe­re Mama gesucht. Sie hat Dich immer vor allen bösen Din­gen beschützt und Dich an einer unsicht­ba­ren Lei­ne geführt. Mein Ver­spre­chen, Dir vie­le wun­der­vol­le Jah­re zu geben, konn­te ich lei­der nicht hal­ten, aber ich set­ze alles dar­an, dass es Dei­ner Mama immer gut gehen wird und sie nur Lie­be und Gebor­gen­heit erfährt. Dei­ne Lie­be und Dein Ver­trau­en in das Leben hast Du uns hier gelas­sen und sie wer­den uns immer beglei­ten. Du hast mich ver­än­dert und dafür dan­ke ich Dir. Renn ganz schnell über den Regen­bo­gen und freue Dich, wenn Dei­ne Pföt­chen die Wol­ken berühren, mein klei­ner Canelo. Du wirst immer in unse­ren Her­zen sein.

Gros­sen Dank an die Ret­ter von Canela und Canelo, an Bea, an Freya und an Tan­ja Rem­mers, die mich in den schwe­ren Stun­den beglei­tet hat.