Perrorco im Glück…

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Perror­co kam auch von Nie­ves aus Mur­cia. Ein klei­ner, nicht beson­ders hüb­scher Hund, für den sich nie­mand inter­es­sier­te. Nie­mand außer Nie­ves und Susan­ne Tölle…

Perror­co wur­de in ganz schlim­mem Zustand auf der Stra­ße gefun­den und lan­de­te wie so vie­le in der Per­re­ra. Dort saß er eini­ge Mona­te, was er kaum aus­hal­ten konn­te. Dann nahm sich ein spa­ni­scher Tier­schutz­ver­ein sei­ner an und hol­te ihn ins Refu­gi­um. Aber damit war sein  Glück auch schon wie­der am Ende. Denn dort im Zwin­ger wur­de er von den soge­nann­ten Tier­schüt­zern ein­fach ver­ges­sen. Man glaub­te nicht an eine Ver­mitt­lungs­mög­lich­keit, da er tat­säch­lich kein schö­ner Hund war. Und dazu schnor­chel­te und knurr­te er immer so befremdlich.
Nie­ves frag­te immer mal nach ihm, aber es tat sich nichts. Nach­dem er nun unglaub­li­che 2 Jah­re dort im Zwin­ger geses­sen hat­te, hat es ihr gereicht. Nach eini­gen Dis­kus­sio­nen über­nahm sie den Hund und tauf­te ihn Perror­co. Per­ro steht für den spa­ni­schen Hund und Orco sind die Orcs, vom Film “Herr der Rin­ge”. Nun ja, eine zwei­fel­haf­te Namen­s­pa­ten­schaft wenn man weiß, wie die Orcs aus­se­hen… Perror­co ist jeden­falls alles ande­re als häß­lich, aber der vor­ste­hen­de Unter­kie­fer gibt ihm ein etwas eigen­wil­li­ges Aus­se­hen. Im Refu­gi­um bei Nie­ves war Perror­co einer der lie­bens­wür­digs­ten, ver­träg­lichs­ten Hun­de, der sogar Kat­zen mochte.
Nie­ves ließ Per­ro­co beim Tier­arzt durch­che­cken, und wir nah­men ihn in die Ver­mitt­lung. Nach eini­ger Zeit mel­de­te sich eine jun­ge Dame, die ganz ver­liebt in ihn war. Wir jubel­ten schon inner­lich, dass die­ser Bur­sche nun end­lich sei­ne Chan­ce bekam. Alles pass­te und die Rei­se wur­de vor­be­rei­tet. Wie vor jeder Aus­rei­se, wur­de auch hier der Mit­tel­meer­test gemacht. Lei­der beka­men wir die Dia­gno­se Leish­ma­nio­se posi­tiv. Am Frei­tag­vor­mit­tag soll­ten die Hun­de unser Auto bestei­gen. Und am Don­ners­tag spät abends rief die jun­ge Dame an um mit­zu­tei­len, dass sie ihn wegen der Leish­ma­nio­se doch nicht wolle.
Unfass­bar was die­ser Jun­ge für ein Pech hat­te. Susan­ne Töl­le konn­te den Gedan­ken nicht ertra­gen, ihn schon wie­der in Spa­ni­en zu las­sen, akti­vier­te ihre Kon­tak­te und bat um Hil­fe. Aber so kurz­fris­tig war es eigent­lich aus­ge­schlos­sen, jeman­den für Perror­co zu finden…bis sich die Fami­lie G. mel­de­te, die schon unse­ren Not­fel­len Bac­co und Bin­go ein neu­es Zuhau­se gege­ben hat. Fami­lie G., die den klei­nen Kerl nun Roc­co nennt, erzählt uns ihre Tier­schutz-Geschich­te so:

Wenn ich so über­le­ge, dann sind die letz­ten zwei Jah­re so unfass­bar auf­re­gend ver­lau­fen, dass ich eigent­lich begin­nen möch­te mit „es war einmal“…

Vor ziem­lich genau 2 Jah­ren haben wir mit­ten in der Nacht in Iffel­dorf unse­ren „Bac­co“ über­nom­men. Das war bis dahin unser ers­ter direk­ter Kon­takt mit einer Tier­schutz­or­ga­ni­sa­ti­on wie der euren. Und wir wuss­ten nicht was uns erwar­tet. Nach­dem wir unse­ren ers­ten Hund, Jer­ry, ver­lo­ren hat­ten, und wir eigent­lich noch nicht wie­der bereit waren, hat­ten wir doch rein zufäl­lig auf eurer Web- Site eine beson­ders bedau­erns­wer­te See­le ent­deckt. Wahr­schein­lich 6 Jah­re hat er in so einer ita­lie­ni­schen Hun­de­höl­le gera­de so über­lebt. Und das hat Spu­ren hin­ter­las­sen, die wir wohl  nicht mehr völ­lig aus­ra­die­ren kön­nen. Aber mit ganz viel Strei­chel­ein­hei­ten, einem gro­ßen Sofa und ganz viel lecke­rem Fut­ter (das Zau­ber­wort heißt BARF) ist er nun ein Pracht­kerl, den wir nie wie­der her­ge­ben werden.

Nun hat uns aber die­ses The­ma, zu was Men­schen in der Lage sind ihren treu­es­ten Kame­ra­den anzu­tun, nicht mehr los­ge­las­sen und geschun­de­ne See­le Num­mer zwei ging mir nicht mehr aus dem Kopf. „Bin­go“ ein leish­ma­nio­se­kran­ker ehe­ma­li­ger spa­ni­scher Stra­ßen­hund saß dort in einem Zwin­ger, und es sah gar nicht gut aus um ihn. Wenigs­tens ein paar Euro woll­te ich ihm zukom­men las­sen für sei­ne Medi­zin. Genau so offen­bar­te ich das mei­ner Frau, „ das nutzt dem gar nichts – hol ihn her“ war die Reaktion.

Gar nicht viel spä­ter saß ich ab Stutt­gart mit in eurem Trans­por­ter und dann hat­ten wir einem Panik- Angst­hund mit einer akti­ven und vor­an­ge­schrit­te­ner Leish­ma­nio­se und wie sich spä­ter noch zei­gen soll­te, einer Viel­zahl von Mit­tel­meer­krank­hei­ten und Para­si­ten. Was taten wir da ? Wir hat­ten kaum Ahnung von dem gan­zen Zeug -  und was, wenn das mit Bac­co und Bin­go über­haupt nicht pas­sen soll­te ? Und es soll­te ja noch viel dicker kommen…

Vor ca. einem Jahr, Urlaub mit zwei Hun­den in Süd­frank­reich … Rück­fahrt mit drei Hun­den ! Was war passiert?

Es war schon Hund Num­mer drei „ in Pla­nung“ – dem Rudel­füh­rer von Bingo‘s Stra­ßen­gang, dem Oskar, ging es mitt­ler­wei­len ganz schlecht, und es war sehr trau­rig als er weni­ge Tage spä­ter starb. Wir hät­ten ihm ger­ne ein Zuhau­se gegeben…

Roc­cos Kum­pel Bac­co (vorn) und Bingo

Am vor­letz­ten Urlaubs­tag eines nahe­zu han­dy­frei­en Urlau­bes und in einer netz­frei­en Gegend erreich­te uns ein Hil­fe­ruf von Susan­ne - und wir fra­gen uns heu­te noch wel­che Mäch­te da Schick­sal gespielt haben. Einen gewis­ser “Perror­co“, ver­mit­tel­ter Hund in Süd­spa­ni­en hat­te das lang­ersehn­te Glück ver­las­sen, bevor es begon­nen hat­te, sei­ne zukünf­ti­ge Fami­lie woll­te ihn nicht mehr. Sofort war der der letz­te Tages­aus­flug gestri­chen, zurück zum Haus, Lap­top an und ich hat­te schon mit eurem Trans­port­team tele­fo­niert bevor wir Susan­ne erreicht hat­ten. Hund unbe­dingt mit ein­la­den, wir über­neh­men ihn auf hal­ber Stre­cke, höhe Avi­gnon an der Auto­bahn. Und dann war er da, nur so als Pfle­ge­hund für ein paar Wochen ….

Es ist unmög­lich mit Wor­ten zu beschrei­ben, wie die­ser klei­ne Wir­bel­wind im Sturm alle Her­zen erobert hat. Nach ca. zwei Wochen war die Num­mer durch und aus Perror­co wur­de Roc­co G. Und seit dem rockt er die Bude…, es flo­gen manch­mal die Fet­zen und auch Roc­co, wenn er es mal wie­der mit Bac­co über­trie­ben hat­te. Leish­ma­nio­se, ver­steif­te Hin­ter­bei­ne und Knie, defor­mier­te Kie­fer und Zäh­ne und kein ver­nünf­ti­ges Atmen mög­lich – muss ich noch mehr erzäh­len ? Und Roc­co nutzt sei­ne Chan­ge eines neu­en Lebens nach vie­len Jah­ren Zwin­ger und sicher auch Miss­hand­lun­gen. Er lern­te bei uns Lau­fen, und sogar das Ren­nen. Und sie­he da, die Gelen­ke und Hin­ter­bei­ne funk­tio­nie­ren wie­der rich­tig gut. Und Mus­keln hat der Kerl bekom­men, ein wah­rer Ath­let ist er inzwi­schen und schnell wie eine Kano­nen­ku­gel. Er kann­te sicher kein Was­ser, jetzt ist er der ers­te drin wenn irgend­wo ein Flüß­chen in der Nähe ist und der letz­te raus. Dank puri­n­ar­mer bes­ter Füt­te­rung und vor allem Dank der unglaub­li­chen Unter­stüt­zung eurer Susann S. ist die Leish­ma­nio­se so weit zurück gedrängt, dass wir dem­nächst auch das Allopu­ri­nol ganz abset­zen können.

Lan­ge haben wir über­legt, eine OP war schließ­lich die ein­zi­ge Lösung um ihm sei­ne Atmung zu ver­bes­sern. Schla­fen ging nur mit einem Gegen­stand im Maul, damit er durchs Maul atmen konn­te, sonst hat­te er regel­rech­te Ersti­ckungs­an­fäl­le, aber er war immer cle­ver und hat es hinbekommen.

Nach diver­sen Checks und Blut­bil­dern etc.  ging es Anfang Okto­ber ab in die Tier­kli­nik nach Dres­den zur OP – am Abend soll­te ich ihn wie­der holen kön­nen ! Aber, die OP fand nicht statt – es wur­de etwas in der Nase gefun­den, das da nicht hin­ge­hör­te – Gewe­be­pro­ben ent­nom­men und CTG – oh nein bit­te kein Tumor !!! das waren har­te Tage bis zum Befund. Es folg­ten zwei Wochen mit Anti­bio­ti­ka, um eine eit­ri­ge Ent­zün­dung im Nasen­raum abzu­hei­len. Zwi­schen­zeit­lich kam die Teil­ent­war­nung – in den ober­fläch­li­chen Gewe­be­pro­ben kein Tumor. Zwei­ter OP Ter­min, jetzt soll­te es funk­tio­nie­ren!? Auf Grund sei­ner Fehl­bil­dun­gen im Ober- und Unter­kie­fer stell­te sich nach einem zwei­ten CTG her­aus, dass der Ver­schluss der Nase durch den Kie­fer­kno­chen ver­ur­sacht ist. Eine zusätz­li­che Defor­ma­ti­on der Nase hat er von einem nicht gut ver­heil­tem Bruch eben die­ser - ver­mut­lich eine Fol­ge von frü­he­ren Miss­hand­lun­gen. Es war lei­der erfor­der­lich, die obe­ren bei­den Reiß­zäh­ne zu zie­hen, den Kie­fer­kno­chen in dem Bereich abzu­frä­sen und mit Skal­pell und Laser Gewe­be zu ent­fer­nen. Die Nasen­flü­gen wur­den auf­ge­stellt und so ange­näht. Wir zwei­fel­ten wirk­lich ob wir das mit der OP rich­tig gemacht hat­ten, denn das hat­ten wir nicht geahnt und quä­len woll­ten wir ihn nun wirk­lich nicht. Einen Tag spä­ter durf­ten wir ihn dann nach einem lan­gen Gespräch mit der Ärz­tin mit nach Hau­se neh­men, mit einem gro­ßen Sack vol­ler Medikamente.

Der Roc­co ist so ein tap­fe­rer Kerl, er hat nie gejam­mert und jetzt geht’s ihm rich­tig gut. Das kann sich nie­mand vor­stel­len, der so was nicht erlebt. Ich glau­be es ist einem Men­schen nur so zu ver­mit­teln was pas­siert, wenn ein Hund sei­nen Geruchs­sinn erhält. So unge­fähr als ob man einem blin­den Men­schen das Augen­licht wie­der gibt.
Roc­co schnüf­felt und schnuf­felt an allem und jedem, es war die rich­ti­ge Ent­schei­dung ihn ope­rie­ren zu las­sen, denn alle Atem­ge­räu­sche sind weg. Er kann nun ein­fach nur da lie­gen und schla­fen, so wie es ihm gefällt.

Abschlie­ßend ein Appell von uns als Besit­zer von 3 Tier­schutz­hun­den an alle, die viel­leicht zufäl­lig und schüch­tern unse­re Geschich­te lesen und unsi­cher sind, ob sie  sich einen Hund aus dem Tier­schutz „zule­gen” sollten:

Tut es und zögert nicht, ihr wer­det Wesen ken­nen und lie­ben ler­nen, wie ihr es euch nicht in euren kühns­ten Träu­men habt vor­stel­len können.

Und schaut nicht unbe­dingt nach dem ver­meint­lich schöns­ten Hund, wählt einen, der es am nötigs­ten haben könnte.

Gera­de die­ser wird euer Leben und euch ver­än­dern, glaubt es mir.

Viel­leicht errei­chen die­se Zei­len sogar noch die Fami­lie die sich so kurz­fris­tig gegen Perror­co ent­schie­den hat – ich möch­te fast Dan­ke sagen.

Ich bin auch erreich­bar für alle die das möchten.

Eure Fam. G. mit Bac­co, Bin­go und Rocco

Wir sagen ein ganz dickes Dan­ke­schön an die Fami­lie G., die unse­re 3 Fell­na­sen auf­ge­nom­men und alles nur Mög­li­che getan hat, damit sie ihr Hun­de­le­ben in vol­len Zügen genie­ßen kön­nen. Die Hun­de - ehe­ma­li­ge Stra­ßen­hun­de, für Jah­re im Cani­le weg­ge­sperrt, ohne Aus­lauf, ohne Hoff­nung oder auch ein Hund mit den Han­di­caps von Perror­co, die er ver­mut­lich teil­wei­se durch Miß­hand­lun­gen davon getra­gen hat, die­se Hun­de brau­chen Men­schen wie die Fam. G.
Wer sich für einen Tier­schutz­hund inter­es­siert und den ange­bo­te­nen Kon­takt zur Fam. G. sucht, um Fra­gen aus ers­ter Hand beant­wor­tet zu bekom­men, kann uns eine kur­ze Mail an info@​hundepfoten-​in-​not.​de schi­cken. Wir lei­ten sie ger­ne an Fam. G. weiter.