Der Podenco - das “andere” Wesen?

27429325co

Anfang Febru­ar, es ist mal wie­der Ende der Jagd­sai­son in Spa­ni­en. Die Jäger sor­tie­ren ihre Hun­de und wer den Ansprü­chen nicht genügt, wird “ent­sorgt”. Vie­le Hun­de wer­den getö­tet - teil­wei­se in grau­sa­men Ritua­len gefol­tert - ande­re wer­den aus­ge­setzt oder in den Per­re­ras abge­ge­ben. Woher sie auch immer kom­men, unse­re spa­ni­schen Tier­schutz­kol­le­gen bemü­hen sich, so vie­le von ihnen auf­zu­neh­men, wie sie nur eben kön­nen. Aber was pas­siert dann mit ihnen? Wir ver­su­chen, ein neu­es Zuhau­se zu fin­den, aber das ist nicht immer ganz ein­fach. Beson­ders dann nicht, wenn es sich um sol­che Spe­zia­lis­ten wie die Poden­cos han­delt.
Schenkt man den gän­gi­gen Kli­schees oder weit­läu­fig ver­brei­te­ten Beschrei­bun­gen Glau­ben, müss­te Mensch davon aus­ge­hen, dass ein dau­er­schla­fen­der Katzen-Hund, 

mit dank­ba­rem Blick und leicht-anstren­gen­der Gas­si-Geh-Atti­tü­de ins neue Zuhau­se ein­zieht, wenn es sich um einen Poden­co han­delt. Kann man so glau­ben, muss man aber nicht. Die­ser Text ist unse­ren Poden­cos in der Ver­mitt­lung gewid­met, um Miss­ver­ständ­nis­se aus­zu­räu­men, um Ver­ständ­nis zu schaf­fen, und um Wis­sen an die Hand zu geben. Wis­sen schafft in die­sem Fall Fair­ness – Fair­ness den Hun­den gegen­über, die so sind, wie sie sind – aber auch Fair­ness den zukünf­ti­gen Hal­tern gegen­über, um Ent­täu­schung und Frust in Bewun­de­rung und Stolz für die­se spe­zi­el­len Beglei­ter ver­wan­deln zu können. 


WOHER kommst du, und wie war’s da eigentlich?

Jeder Hun­de­be­sit­zer hier in Deutsch­land wür­de über seine/​n Hund/​e in etwa das Glei­che sagen, wie die Jäger in Spa­ni­en über ihre Poden­cos. Es ist die Rede von gro­ßen Gefüh­len, Lie­be, Ver­eh­rung und Ver­bun­den­heit mit die­sen Tie­ren. Doch spre­chen hier alle Betei­lig­ten von den glei­chen Dingen?

Hört man genau­er hin wird klar, dass die Jäger vor allem Eigen­stän­dig­keit, Unab­hän­gig­keit und stra­te­gi­sche Intel­li­genz – das soli­tä­re Jagd­ver­hal­ten – an ihren Hun­den bewun­dern. Gewünscht ist ein Hund, der kei­ne Kom­man­dos braucht, um sei­nen Job zu machen. Gewünscht ist ein Aus­blen­den aller anwe­sen­den Men­schen, um 100%tig im Jagd­ge­sche­hen sein zu kön­nen. Gewünscht ist ein Hund, der nicht zurück blickt, der kei­ne Koope­ra­ti­on sucht, son­dern in Gän­ze und unter Ein­satz all‘ sei­ner Sin­nes­or­ga­ne jagen geht. Die­ser Hund ver­dient des Jägers gan­zen Stolz.

Die gene­ti­schen Vor­aus­set­zun­gen, wel­che die Poden­cos mit­brin­gen, wer­den von den Jägern durch einen „gebrauchs­hun­de-taug­li­chen“ Umgang noch geför­dert. Dies bedeu­tet im Ein­zel­nen, dass die Inter­ak­ti­on und der Kon­takt zu den Hun­den so gering wie mög­lich gehal­ten wird. Das Inter­es­se am Men­schen soll auf ein Mini­mum beschränkt sein. Vor allem im ‚Frei­lauf‘ erhält der Poden­co kei­ne Anspra­che, kei­nen Blick­kon­takt, kei­ne Berüh­rung und kei­ner­lei Signa­le. Er ist auf sich allein gestellt – ein Solitär.

WOHIN gehst du, und wie geht’s dir da eigentlich?

Ab Tag 1 des Ein­zu­ges in einem neu­en Zuhau­se in Deutsch­land dreht sich die Welt für fast alle Poden­cos auf den Kopf. Kon­trä­rer könn­ten die Erwar­tun­gen nicht sein. Kon­trä­rer könn­ten die Lebens­um­stän­de nicht sein. Ange­fan­gen bei A = Auf­merk­sam­keit für den Hund, über E = Ein­zel­hal­tung, bis hin zu Z = Haus statt Zwin­ger. ALLES ist anders. Die Erwar­tungs­hal­tung „artig an der Lei­ne“ zu gehen, wenn man sich drau­ßen auf­hält, ist rei­ne Uto­pie. Im Frei­lauf wür­de der Poden­co erlern­tes Ver­hal­ten abru­fen; d.h. den Men­schen aus­blen­den, kei­nen Blick­kon­takt her­stel­len, kei­ne Koope­ra­ti­ons­be­reit­schaft zei­gen. Und er wür­de mit Erschre­cken fest­stel­len, dass SIE nicht stolz auf ihn sind, wenn er die­ses Ver­hal­ten an den Tag legt.

Fair­ness für Alle !

Mit die­sem Hin­ter­grund­wis­sen soll­te man an eine Adop­ti­on eines Poden­cos her­an gehen. Sie kön­nen sich berech­tig­ter Wei­se fra­gen, wer nach die­sen Infor­ma­tio­nen wohl noch so einen komi­schen Poden­co haben möch­te? Ich kann ihnen aus Erfah­rung sagen, zum Glück sind es Eini­ge. Es ist erfül­lend, sich auf ein frem­des Ter­rain zu bege­ben – es ist berei­chernd sei­nen eige­nen Hori­zont zu erwei­tern – es macht stolz, mit einem sol­chen Hund sein Leben zu ver­brin­gen. Es lernt Jeder von Jedem. Eigen­stän­dig­keit ist immer ein Garant für kom­ple­xe Per­sön­lich­kei­ten; für cha­rak­ter­star­ke Hun­de und lässt Frei­raum für viel Indi­vi­dua­li­tät. Es braucht Hun­de­hal­ter mit Hirn und Humor – Men­schen, die sich bewusst für die­se spe­zi­el­len Hun­de entscheiden.


Der sagen­um­wo­be­ne Erfah­rungs­wert – oder – was dich wirk­lich erwartet !

Der Poden­co springt hoch, der Poden­co springt weit, war­um auch nicht, er hat ja Zeit – und dann steht ‚mensch‘ auch schon mal andert­halb Stun­den im Wald und ver­schiebt ein­hän­dig (denn die ande­re Hand hält bemüht die Schlepp­lei­ne des schrei­en­den Pödels) alle nach­fol­gen­den Ter­mi­ne auf die nächs­ten Tage.

Poden­co-Besit­zer sind hart im Neh­men. Wenn nicht, die Här­tes­ten! Wo ande­re in Panik ver­fal­len, wischt der Podi-Hal­ter Schweiß, Blut und Matsch - wahl­wei­se - von sei­ner oder der Stirn des Hun­des. Podi-Hal­ter haben Ner­ven aus Stahl, ein super funk­tio­nie­ren­des Herz-Kreis­lauf Sys­tem und her­vor­ra­gend trai­nier­te Stimm­bän­der. Die Arm- und Schul­ter­mus­ku­la­tur ist meis­tens auch gut aus­ge­prägt und der Griff ähn­lich eines Schraub­sto­ckes. Sich in Gesell­schaft eines Podi-Hal­ters flüs­sig beim Gas­si­ge­hen zu unter­hal­ten ist zwar eine Herraus­for­de­rung, da man zu 110% auf die Hun­de kon­zen­triert ist, dafür ver­gisst man den Namen des Poden­cos nie mehr, da sich die­ser in die Hirn­haut ein­ge­brannt hat.

Auch die Mode kommt nicht zu kurz. Rus­ti­ka­le Jacke in dun­kel, Fri­sur aero­dy­na­misch für den 180 Grad-Rund­um-Blick, Gum­mi­stie­fel oder sons­ti­ges robus­tes Schuh­werk und Jeans - nein nicht von Jack Wolfs­kin - die Pfo­ten­ab­drü­cke auf der Hose sind vom Poden­co. Erdi­ger Geruch. Die Hun­de erkennt man am Gras das aus der Schnau­ze hängt, sowie an den Dreck­klum­pen an der Nase und den Vor­der­pfo­ten. Im Prin­zip tra­gen bei­de ca. 1 m² Acker­flä­che mit sich her­um und ken­nen jedes Wild im Umkreis von 5 km mit Namen und Blutgruppe. 

Die Grund­aus­stat­tung hält sich Gren­zen – der Podi ist kein Schnick-Schnack-Hund. 1 Was­ser­napf, 1 Fut­ter­napf, 4 GPS-Tra­cker, 28 Schlepp­lei­nen unter­schied­lichs­ten Mate­ri­als, unge­zähl­te Sicher­heits­ge­schir­re in allen Far­ben und Grö­ßen, samt ein­ge­stick­ter Tele­fon­num­mer in einer Grö­ße, die auch noch in 100 m Ent­fer­nung les­bar ist. Podi-Hal­ter haben kei­ne Wühl­maus- oder Maul­wurf­pro­ble­me im Gar­ten, dafür aber öfters das Bau­amt vor Ort, das kon­trol­liert, für wel­chen Ver­wen­dungs­zweck die neue Bau­gru­be ist. Sie ken­nen alle Arten ein Grund­stück aus­bruchs­si­cher zu ver­ram­meln und ken­nen sich mit Zäu­nen bes­ser aus, als jeder Baumarktmitarbeiter.

Wenn der Podi-Besit­zer ange­spro­chen wird, dann meist, weil er so sport­lich unter­wegs ist, weil der Pödel am Hori­zont ein Häs­chen hat hop­peln sehen. Auch „über-den-Acker-gezo­gen-wer­den“ sieht von Wei­tem nach einer neu­en Form des Zug­hun­de­sports aus. Wie Sie sehen, wird es Ihnen an Abwechs­lung und Kon­takt mit den Ele­men­ten nicht feh­len. Wenn Sie also der Natur schon immer mal so nahe sein woll­ten, wie Sie es bis dato nicht für mög­lich gehal­ten haben, dann ist der Poden­co genau der rich­ti­ge Hund für SIE !!!