Das Leben mit einem Tier mit Handicap…

tarzanBB24082022

…kann eine wirkliche Bereicherung sein

So schil­dert es die Fami­lie von Poin­ter Tar­zan, der aus schlimms­ten Hal­tungs­be­din­gun­gen in Spa­ni­en befreit wer­den konn­te. Nach sei­ner Ankunft in Deutsch­land leb­te Tar­zan zunächst in einer Pfle­ge­fa­mi­lie und fand dann doch noch sein end­gül­ti­ges Zuhau­se. Tar­zans Besit­ze­rin Fran­zis­ka Koke­mor, selbst als Hun­de­phy­sio­the­ra­peu­tin tätig, hat uns den fol­gen­den Text zur Ver­fü­gung gestellt, den wir ger­ne veröffentlichen:

Die Tage durf­te ich ein Pony ener­ge­tisch unter­schüt­zen, das man „behin­dert“ nen­nen könn­te. Ben­ni belas­tet infol­ge einer Krank­heit ein Bein nicht voll­stän­dig und trägt dar­um eine Orthe­se, eine Art fes­te Schie­ne, die von außen das Bein stützt. Ben­ni hat gute, aber auch schlech­te Tage. Und dabei ver­sprüht er eine sol­che Lebens­kraft und -freu­de! Er jam­mert nicht, son­dern macht das Bes­te dar­aus und das mit viel Humor. Zum Bei­spiel, indem er sei­ner mensch­li­chen Freun­din genau signa­li­siert, was er wann haben möch­te. Selbst­re­dend erfüllt sie ihm jeden Wunsch.
Ben­ni ist ein her­vor­ra­gen­des Bei­spiel dafür, wel­che Kraft Tie­re mit Ein­schrän­kun­gen aus­strah­len kön­nen. Als Tier­phy­sio­the­ra­peu­tin habe ich unzäh­li­ge Hun­de und eini­ge Kat­zen ken­nen­ge­lernt, die auf­grund des Alters, einer Ver­let­zung oder Krank­heit als „behin­dert“ gel­ten. Und auch wenn ihr Leben müh­sa­mer ist als das von Tie­ren ohne Han­di­cap, strö­men sie oft eine Lebens­freu­de, Wür­de und Selbst­ver­ständ­lich­keit aus, die uns stau­nend und demü­tig machen. Wir kön­nen uns eine dicke Schei­be davon abschnei­den.
Da ist Luna, die klei­ne Mix­hün­din, die wegen eines kaput­ten Vor­der­beins auf drei Bei­nen fröh­lich und abge­klärt durchs Leben hüpft und bald ihren 17. Geburts­tag fei­ert. Sie wird manch­mal von ihrer dreibei­ni­gen Kat­zen­freun­din Kit­ty beglei­tet. Vor Jah­ren muss­te Kit­ty ein Hin­ter­bein ampu­tiert wer­den. Seit­her bewegt sie sich etwas schief, aber erstaun­lich behän­de durch Woh­nung und Umge­bung. Trotz ihres Han­di­caps ist sie eine Frei­gän­ge­rin. Pau­li, dem Poin­ter einer Freun­din, wur­de auf­grund einer Krebs­er­kran­kung ein Vor­der­bein ampu­tiert. Auf­ge­ben ist nicht, denn man kann auch mit nur einem Vor­der­bein nach Mäu­sen bud­deln und mit den ande­ren Hun­den rum­to­ben. Ich könn­te Ihnen noch von vie­len bewun­derns­wer­ten Tie­ren (und ihren Men­schen) erzäh­len. Einer aber darf nicht feh­len:
Tar­zan, unser Held, hat­te zwei kaput­te Vor­der­bei­ne unbe­kann­ter Ursa­che und beweg­te sich nur müh­sam vor­wärts. Dank Phy­sio­the­ra­pie, gutem Schmerz­ma­nage­ment und allem vor­an dank sei­nes uner­schüt­ter­li­chen Lebens­wil­lens ver­bes­ser­te sich sein Gang­bild. Natur­ge­mäß wur­de das irgend­wann wie­der schlech­ter. So beglei­te­te er uns und die bei­den ande­ren Hun­de in sei­nem Tar­zan­mo­bil auf den Run­den. Tar­zan hat­te fast immer gute Lau­ne, viel Humor, einen geseg­ne­ten Appe­tit und die besag­te enor­me Lebens­freu­de. Wie Ben­ni wuss­te er genau, was er woll­te und was nicht und ver­stand es,  uns sei­ne Wün­sche mit­zu­tei­len. Sah er etwas Span­nen­des, konn­te er sogar Gas geben. Zu sei­nen bes­ten Zei­ten klet­ter­te der behin­der­te Hund über Holz­sta­pel, um sich sei­ne gelieb­ten Brom­bee­ren vom Strauch zu pflü­cken. Unglaub­lich, was für eine Kraft Tar­zan in sich hat­te. – Anfangs 2021 war es dann lei­der soweit. Die Schmer­zen nah­men über­hand, sei­ne Kräf­te waren auf­ge­braucht…

Das Leben mit einem behin­der­ten Tier ist nicht nur eitel Son­nen­schein. Häu­fig ist es für uns Men­schen kör­per­lich belas­tend: Viel­leicht muss das Tier regel­mä­ßig beim Gehen unter­stützt oder getra­gen wer­den. Die Betreu­ung ist in der Regel anstren­gen­der, erst recht, wenn viel­leicht noch Inkon­ti­nen­zen dazu­kom­men. Mög­li­cher­wei­se ist mit höhe­ren Kos­ten zu rech­nen, zum Bei­spiel für regel­mä­ßi­ge Phy­sio­the­ra­pie oder Tier­arzt-/Tier­heil­prak­ti­ker­be­su­che. Bei Schmerz­pa­ti­en­ten muss das Schmerz­ma­nage­ment stets im Auge behal­ten wer­den. Even­tu­ell ist die Lebens­er­war­tung kür­zer. Nicht zuletzt kann es sein, dass Sie mit unver­stän­di­gen Mit­men­schen kon­fron­tiert wer­den: Sie sind nie­man­dem Rechen­schaft schul­dig außer Ihrem Tier. Im Zwei­fel hal­ten Sie Rück­spra­che mit Ver­trau­ens­per­so­nen, die Ihr Tier gut ken­nen.
Wir haben aller­dings auch erstaun­lich viel Zuspruch erhal­ten. Kön­nen wir das Geschenk anneh­men, erfah­ren wir durch die Kraft eines Tie­res mit Ein­schrän­kun­gen eine tie­fe Berei­che­rung. Ein sol­ches Tier lehrt uns Lebens­freu­de, Dank­bar­keit, Beschei­den­heit, Kraft, Wür­de und Liebe.

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Wer Tar­zans Geschich­te nach­le­sen möch­te, fin­det hier sei­nen Nach­ruf mit Link zum Tagebuch.

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