Der gebrauchte Hund…

Entschuldigt bitte, wenn ich nicht perfekt bin… aber ich hatte schon ein Leben vor dem bei euch…

Ihr wisst es viel­leicht nicht, aber da wo mei­ne Hun­de­freun­de und ich her­kom­men, hat sich nie­mand so um uns geküm­mert, wie ihr das tut. Wir haben nicht täg­lich Fut­ter oder Was­ser bekom­men, haben oft schon als Wel­pen Hun­ger ken­nen gelernt. 

Das hat Spu­ren hin­ter­las­sen – an unse­ren Kör­pern, an unse­ren Seelen.

Ger­ne wür­den wir euch fröh­lich und unbe­schwert begrü­ßen, uns freu­en, dass ihr euch um uns küm­mert… aber wir müs­sen erst ler­nen, dass ihr immer für uns da seid, dass ihr uns nicht schla­gen oder tre­ten, aus­set­zen oder ver­ja­gen wer­det. Wir wer­den das ler­nen – wenn ihr uns etwas Zeit gebt, euch zu ver­trau­en. Wir kön­nen euch nicht erzäh­len was wir erlebt haben, aber ihr erkennt es an unse­rem Ver­hal­ten. Man­che von uns hat­ten Glück und kön­nen offen auf alles und jeden zuge­hen, ande­re brau­chen Zeit, sich einzugewöhnen. 


Eini­ge von uns sind krank, waren bei einem Jäger und tra­gen Schrot­ku­geln im Kör­per, haben alte, schlecht ver­heil­te Ver­let­zun­gen, weil man sie über­fah­ren und ein­fach lie­gen gelas­sen hat, weil man sie miss­han­delt hat oder weil sie das ent­beh­rungs­rei­che Leben nicht dau­er­haft aus­hal­ten konn­ten. Oft waren wir unse­ren Besit­zern so wenig wert, dass sie uns nicht zum Tier­arzt brach­ten und ein­fach wie Müll weg­war­fen, wenn wir nicht mehr “funk­tio­nier­ten”. Zecken, Sand­mü­cken, mit unse­rem geschwäch­ten Immun­sys­tem haben wir die­sen Para­si­ten wenig ent­ge­gen zu setzen…

… und so lan­den wir dann bei den Tier­schüt­zern, die unse­re Wun­den ver­sor­gen, uns Fut­ter und Was­ser geben und ver­su­chen, uns unse­re Ängs­te zu neh­men. Für vie­le von uns ist es das ers­te Mal, dass sich Men­schen lie­be­voll um uns küm­mern und lang­sam bekom­men wir eine Ahnung davon, wie ein Hun­de­le­ben sein könnte…

Nie­mand weiß, wie alt wir genau sind. Unse­re frü­he­ren Besit­zer haben uns nicht gechipt oder irgend­wo regis­triert. Die Tier­schüt­zer kön­nen unser Alter von den Tier­ärz­ten nur schät­zen las­sen… aber auch die kön­nen sich irren und so stellt sich viel­leicht erst spä­ter her­aus, dass wir älter sind als gedacht, manch­mal viel älter… oder auch jün­ger… aber dafür kann nie­mand etwas… wir am allerwenigsten…


Wenn wir dann zu euch kom­men, haben uns die Tier­schüt­zer imp­fen las­sen, unse­re Ver­let­zun­gen sind größ­ten­teils aus­ge­heilt, sofern es mög­lich war, wur­den wir ope­riert, wer es benö­tig­te bekam Medi­ka­men­te. Frisch ent­wurmt kom­men wir bei euch an und haben auch das Test­ergeb­nis über Mit­tel­mee­rer­kran­kun­gen in unse­rem klei­nen Reisegepäck. 

Viel­leicht fragt ihr, war­um ihr für uns etwas bezah­len müsst, uns woll­te doch nie­mand haben und wenn ihr uns nun ein Zuhau­se gebt, wie­so kos­tet das eine Schutz­ge­bühr ? Das ist ein­fach erklärt, denn alles, was die Tier­schüt­zer für uns tun, müs­sen sie irgend­wie selbst finan­zie­ren und oft rei­chen die Spen­den, die sie bekom­men, nicht aus. Die Schutz­ge­bühr trägt dazu bei, dass die Tier­schüt­zer mit ihrer Arbeit wei­ter machen kön­nen. Sie ret­ten nicht nur uns Hun­de, sie ver­su­chen auch, in ihrem Land auf­zu­klä­ren, in dem sie zum Bei­spiel in die Schu­len gehen und dort von uns und unse­rem Schick­sal erzäh­len. Wir hof­fen, dass es so immer weni­ger wer­den, die so leben müs­sen wie wir und ihr könnt dazu bei­tra­gen, wenn ihr eine Schutz­ge­bühr für uns bezahlt.


Dann ist es end­lich so weit… wir sind bei euch ange­kom­men… und in einem ganz neu­en Leben. Wir ler­nen, euch zu ver­trau­en und mit euch zusam­men fin­den wir uns immer bes­ser zurecht. Aber wir sind und blei­ben gebrauch­te, manch­mal alte, manch­mal kran­ke Hun­de, die auf eure Hil­fe, Unter­stüt­zung und Lie­be ange­wie­sen sind – unser gan­zes Leben lang.

Seid bit­te nicht trau­rig und ent­täuscht wenn wir anders sind, als ihr es euch gewünscht habt, seid bit­te nicht unge­dul­dig und schimpft nicht mit uns, wenn wir nicht sofort stu­ben­rein oder noch etwas ängst­lich und unsi­cher sind… 

… und BITTE, schickt uns des­halb nicht gleich wie­der weg… wir haben doch jetzt nur euch.

Der gebrauch­te Hund…
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