Reisebericht: Murcia im Oktober 2017

Seit einiger Zeit betreut Steffi Dedetschek gemeinsam mit Susanne Tölle unser Projekt Murcia. Im Oktober 2017 reiste sie gemeinsam mit ihrem Partner Dennis zu unserer spanischen Tierschutzkollegin Nieves und hat uns diesen Bericht geschickt:

Im Oktober konnten Dennis und ich das Refugium in Murcia besuchen, aus dem viele unserer Hunde ihre Reise in ein neues Leben antreten. Es war unser erster Besuch in Murcia, bei dem wir uns einen Eindruck von der Situation vor Ort verschaffen konnten. Wir lernten Nieves und viele ihrer Schützlinge kennen. Während unseres Aufenthaltes konnten wir erleben, welchen Aufwand sie dort Tag für Tag betreibt, um die Hunde zu versorgen. Angefangen vom täglichen Reinigen der Zwingeranlagen, über die Fütterung, bis hin zu Tierarztbesuchen und der individuellen Versorgung bei Krankheiten. Sie kümmert sich mit Leidenschaft um jeden einzelnen Vierbeiner, auch wenn die Arbeit hart ist und sie nicht jedem von ihnen so viel Aufmerksamkeit schenken kann, wie sie gerne würde.

Hier kommen wir ins Spiel. Nachdem Bernd und Susanne bei ihrem Aufenthalt im Januar 2017 die wichtigste bauliche Maßnahme, nämlich das Verlegen von Drainagen zur Entwässerung der Zwingeranlagen, bereits erledigt haben, konnten wir uns voll und ganz auf die Hunde konzentrieren.

Bernd Tölle bei der Arbeit an der Drainage

Weitere Arbeiten an der Anlage sind für den Januar nächsten Jahres geplant, wenn wir beide gemeinsam mit Bernd und Susanne vor Ort sind.

Drainagegraben

Dann wollen wir unter anderem eine alte Holzhütte auf dem Gelände wiederherrichten, sodass Helfer auch vor Ort übernachten können. Außerdem sind immer kleinere Reparaturen, etwa an den Zäunen der Anlage, durchzuführen.
Doch zurück zu unserem Besuch…

Neben der Versorgung der Hunde, Vollzeitjob und Familie bleibt Nieves selbst natürlich keine Zeit um gesondert auf die Bedürfnisse einzelner Hunde einzugehen. Deshalb freut sie sich umso mehr, wenn Helfer aus Deutschland kommen und sich um die Dinge kümmern, für die im Alltagsbetrieb keine Zeit bleibt.

Für manche Hunde ist es beispielsweise völlig neu an der Leine zu laufen und das Gelände des Refugiums einmal verlassen zu dürfen, so auch Kaleo.

Kaleo ist ein unglaublich freundlicher Hund, der sich über jede gemeinsame Minute mit uns gefreut hat. Leine und Halsband waren ihm jedoch mehr als suspekt. Nieves erzählte uns, dass Kaleo sofort erstarrt sobald man ihn an die Leine nimmt. So haben wir täglich mit Kaleo gearbeitet, und das mit Erfolg.

Wir haben seinen Fortschritt natürlich auch in Videos festgehalten:

Weitere Videos und Fotos finden Sie in seinem Tagebuch: Kaleo der sanfte Riese mit großem Herz.

Schmusehund Kaleo

Ein weiteres Schicksal, welches uns sehr berührt hat, ist das von Emmi und ihrer Schwester Lilly . Emmi ist eine sehr ängstliche Hündin. Ihre Tage verbringt sie zusammen mit ihrer Schwester ausschließlich in der Hütte ihres Zwingers. Ganz selten und auch nur wenn niemand im Refugium ist, wagt sie sich aus ihrer Hütte. Stundenlang saß ich einfach bei ihr in ihrer Hütte. Nach einiger Zeit konnte sie sogar in meiner Gegenwart fressen. Nach einigen Tagen konnte ich ihr ein Geschirr anlegen, und sie dazu bewegen mit mir ihre Hütte zu verlassen.

Emmi

Das war einer der emotionalsten Momente unserer Reise. Ich freue mich schon darauf Emmi bald wieder zu sehen und weiter mit ihr arbeiten zu können, sodass sie eines Tages vielleicht die Chance auf eine Vermittlung hat.

Und dann ist da noch Bianco.

Er genoss die Zeit mit uns wohl am allermeisten. Bianco hatte das Vertrauen in die Menschen verloren als man ihm den Hals aufschnitt um ihm seinen Chip zu entfernen. Lange hat es gedauert bis die Tierschützer sein Vertrauen zurückgewinnen konnten. Fremden gegenüber war er bisher meist sehr misstrauisch. Mit uns konnte er weitere positive Erfahrungen sammeln. Bianco hat Dennis ganz besonders ins Herz geschlossen. Er konnte ihm problemlos Leine und Halsband anlegen.

Ich könnte endlos so weiterschreiben über diese Hunde und ihre unermüdliche Beschützerin Nieves. Wir haben den größten Respekt vor ihrer Arbeit und haben auch Sie in dieser Zeit mehr als liebgewonnen. Sie hat uns an ihrem Leben teilhaben lassen und hat uns unendlich viele Geschichten aus ihrer Tierschutzarbeit erzählt, so authentisch und bewegend. Was diese Frau täglich tut, lässt sich mit nichts aufwiegen. Auch ihren Mann Fran und ihre kleine Tochter Olivia durften wir kennenlernen. Fran unterstützt seine Frau wo er kann und auch ihm liegen die Hunde sehr am Herzen. Die beiden sind ein super Team, das wir auch weiterhin auf jede erdenkliche Weise unterstützen wollen.

Der Tag des Abschiedes war schwer und wenn ich gerade daran zurückdenke, kommen mir die Tränen. Die Hunde genossen die Aufmerksamkeit von uns so sehr und erwarteten uns morgens freudig an ihren Zwingertüren. Es fühlte sich an als würden wir sie nun im Stich lassen. Ich sehe Kaleo wartend an seiner Türe stehen und mir bleibt nur zu hoffen, dass er seinen Zwinger bald für immer verlassen darf.

Mit unseren Gedanken sind wir in Murcia und zählen die Tage bis zum nächsten Besuch!

An dieser Stelle möchte ich auch ein großes Dankeschön an alle unsere Spender und Unterstützer richten, die diese Arbeit mit ermöglichen.

Nieves, Fran und Bobby
Nieves und Kaleo
Nieves mit Pablito und Pedrito
Reisebericht: Murcia im Oktober 2017
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