Vincenzo, zum Andenken an einen ganz besonderen Hund…

Vin­cen­zo kam 2006 aus Rie­ti, damals eines der schlimms­ten Cani­le Ita­li­ens. Die Hun­de vege­tier­ten dort unter schlimms­ten Bedin­gun­gen vor sich in und nur mit uner­müd­li­chem Ein­satz ita­lie­ni­scher und deut­scher Tier­schüt­zer ist es gelun­gen, dass die Hun­de dort her­aus geholt wer­den konn­ten und das Cani­le geschlos­sen wur­de. Die­ser Bericht schil­dert die Zustän­de, wie sie nicht nur in Rie­ti herrsch­ten, son­dern lei­der in Ita­li­en immer noch kei­ne Sel­ten­heit sind.

Wie vie­le Rie­ti-Hun­de war auch Vin­cen­zo anfangs zurück­hal­tend und ängst­lich, aber man ließ ihm Zeit um anzu­kom­men und er hat sich zu einem ech­ten Traum­hund ent­wi­ckelt. Nun ist Vin­cen­zo über die Regen­bo­gen­brü­cke gegan­gen und sei­ne Fami­lie hat uns gebe­ten, die­ses Dan­ke­schön zu veröffentlichen.

Dan­ke­schön an Vin­cen­zo, dem bes­ten Hund der Welt

Vin­cen­zo, mein lie­ber Hun­de­en­gel, Herr­chen und ich möch­ten Dir Dan­ke sagen, für die vie­len schö­nen gemein­sa­men Jah­re, die wir mit Dir zusam­men gehen durf­ten und für die vie­len schö­nen Erin­ne­run­gen, die Du uns hin­ter­las­sen hast.

Schon auf der Heim­fahrt von Mag­de­burg nach Ber­lin am 16.12.2006 haben wir bei­de schnell Freund­schaft auf der Rück­bank geschlos­sen. Ich hat­te mich damals gar nicht getraut, Dich anzu­schau­en, weil ich Dich auf so engem Raum nicht ver­un­si­chern woll­te. Du hat­test eine blu­ti­ge Wun­de am Ohr und hast ganz zusam­men­ge­sun­ken in Dei­ner Ecke der Rück­bank geses­sen und ich auf mei­ner Sei­te. In mei­ner Lecker­chen­ta­sche hat­te ich extra frisch­ge­ba­cke­ne Hun­de­kek­se für Dich dabei und die gab ich Dir dann vor­sich­tig. Aus dem Augen­win­kel habe ich geschaut, was Du machst. Und Du hast die Kek­se ganz vor­sich­tig abge­nom­men. Das fand ich schon sehr fas­zi­nie­rend. Und als wir dann end­lich zu Hau­se ange­kom­men waren, wuss­test Du gleich, in wel­chen Gar­ten wir müs­sen und wo im Haus Dei­ne Schlaf­stät­te war. Du hast Dir das Haus genau ange­se­hen und ich hat­te den Ein­druck, Dir gefiel es gut bei uns.

Wir, Dein ande­res Frau­chen – mei­ne Schwes­ter - und ich, haben Dir in der ers­ten Zeit nach Dei­ner Ankunft die Zeit gege­ben, die Du brauch­test um in Ruhe rich­tig anzu­kom­men. Du hast viel geschla­fen, lecke­res Essen bekom­men und Strei­chel­ein­hei­ten und vor allem konn­test Du end­lich lan­ge Spa­zier­gän­ge unter­neh­men, wovon Du mit uns aus­gie­big Gebrauch gemacht hast. Ein­mal hast Du im Wald sogar ein klei­nes Reh­kitz am Weges­rand gefun­den, das dort so per­fekt getarnt lag, dass ich es erst auf den drit­ten Blick erkann­te (und natür­lich nicht anfasste!!!).

Du bist an der Lei­ne gelau­fen, als hät­test Du nie etwas ande­res getan, Du hast Auto fah­ren geliebt und den Kon­takt zu ande­ren Hun­de­freun­den und -freun­din­nen gesucht und gepflegt. Manch­mal, wenn Du Dein Gegen­über nicht moch­test, bist Du ganz lus­tig mit allen Vie­ren gleich­zei­tig hoch­ge­sprun­gen und schnell davon gegan­gen. Aber Du hast Dich auch in der gro­ßen Stadt schnell ein­ge­fun­den. Mit Dir konn­te man ganz läs­sig durch Ber­lins Stra­ßen gehen und Du warst immer der per­fek­te Beglei­ter. Nur Män­ner und lau­te Kin­der moch­test Du anfangs gar nicht ger­ne. Dann hast Du manch­mal eine schnel­le­re Gang­art ein­ge­legt. Und weil wir bald her­aus­ge­fun­den hat­ten, dass Ball­spie­le nun so gar nicht Dein Fall waren, haben wir sämt­li­che Fut­ter­au­to­ma­ten­spie­le selbst­ge­baut oder gekauft. Da hat­test Du soviel Freu­de dar­an, dass Dich immer jemand fest­hal­ten muss­te, weil Du sonst immer schon die Deckel­chen von den Mul­den genom­men hät­test, bevor ich mit befül­len rich­tig fer­tig war. Wenn ich trau­rig war, bist Du immer zu mir gekom­men und hast Dei­ne Pfo­te auf mei­ne Knie gelegt. Du warst mein ganz lie­ber, sen­si­bler und empa­thi­scher Freund.

Irgend­wann hast Du dann Dein Herr­chen ken­nen­ge­lernt. Und obwohl er eher ein Kat­zen­mensch ist, hat er Dich schnell in sein Herz geschlos­sen, was viel­leicht auch an Dei­nen Marem­ma­no-Mix-Genen lag. Herr­chen hat­te außer­dem zwei von den klei­nen Men­schen dabei. Weil Du aber schon in den Jah­ren davor ken­nen­ge­lernt hat­test, dass nicht alle klei­nen Men­schen auch bos­haft zu Dir waren, bist Du ihnen ganz freund­lich begeg­net. Sie haben Dich auch in ihre Her­zen geschlos­sen und es dau­er­te nicht lan­ge, da hast Du Dir regel­mä­ßig ein Plätz­chen in dem chao­ti­schen Zim­mer Dei­ner klei­nen Herr­chen gesucht.

Und wenn wir zusam­men einen Kino­abend auf der Lein­wand ver­an­stal­tet haben dau­er­te es gar nicht lan­ge, dann hast Du Dich direkt zu uns gelegt. Über­haupt warst Du wie ein klei­ner Schat­ten, der immer da war, wo wir auch waren. Das war bis zum Schluss so.

So ver­gin­gen die Jah­re und die gemein­sa­men Run­den wur­den klei­ner und kür­zer, aber im Kopf warst Du noch immer der jun­ge Vin­cen­zo, den wir mit geschätz­ten vier Jah­ren damals in Mag­de­burg in Emp­fang genom­men haben. Die ein oder ande­re gesund­heit­li­che Alters­er­schei­nung trat auf, aber Du hast nicht gejam­mert und warst wie ein klei­nes Steh­auf­männ­chen. Ins­ge­heim dach­te ich immer, Du seist unsterb­lich. Als Dei­ne Kräf­te nach­lie­ßen, haben wir Dich gestützt und haben Dich beglei­tet bis zu Dei­nem letz­ten Lebenshauch.

Vin­cen­zo, mein lie­bes Cen­zel­chen, mein Cen­zoli­no, Du warst mein bes­ter Freund, gingst mit Herr­chen und mir durch dick und dünn und warst in den letz­ten fast 9 Jah­ren stets an mei­ner und unse­rer Sei­te. Wir ver­mis­sen Dich sehr. Leb’ wohl im Regen­bo­gen­land – eines Tages tref­fen wir uns wie­der. Ich habe Dich so lieb und küs­se Dich auf Dein fel­li­ges Näschen.

Wir von den Hun­de­pfo­ten trau­ern um Vin­cen­zo, aber wir sind sehr glück­lich, dass er nach allem was er erle­ben muss­te, doch noch so ein schö­nes Leben hat­te. Das Team von Hun­de­pfo­ten in Not sagt ganz herz­li­chen Dank an Vin­cen­zos Fami­lie - für all das Gute, dass er durch sie erle­ben durfte.