Murcia 2015…Eindrücke einer deutschen Tierschützerin…

Malwina, eine befreundete Tierschützerin, hat Susanne Tölle in diesem Jahr in Murcia besucht. Diesen Reisebericht hat sie uns freundlicherweise zur Veröffentlichung überlassen:

Ich schließe meine Augen und lehne mich in meinen Sitz. Mit meiner Tasche im ohnehin schon viel zu engen Fußraum, atme ich tief durch, während Marion meine Hand hält. Beim Start der Ryanair Maschine werde ich in meinen Sitz gedrückt. Ich schlucke. Schlucke meine Flugangst runter, denn diese Reise ist so viel wichtiger. Reisebericht2_html_m16e44f94Wir fliegen von Düsseldorf nach Alicante und von dort aus mit dem Mietwagen weiter nach Molina de Segura. Hier befindet sich unser Hotel. Die Stadt wirkt trostlos. Leere Geschäfte reihen sich aneinander. Ich mag mir noch gar nicht vorstellen wie es in solch einer Umgebung erst den vielen Hunden ergeht. Dies werde ich später noch herausfinden…
Im Hotel telefoniere ich mit Susanne und Bernd, die schon im Refugium sind. Bernds Wegbeschreibung ist gleichsam einmalig amüsant als auch doch sehr hilfreich: „Die Straße mit den Hubbeln bis zu den drei Hochhäusern, sieben bis acht Kreisverkehre weiter…“ Ein weiteres Telefonat später sehen wir Bernd winkend auf der Straße stehen.Wir sind endlich da.
Ich höre das laute Gebell bereits aus der Ferne. Das Schloss klemmt. Dieses Problem wird mir noch so manches mal begegnen, denn die Witterung macht sich überall bemerkbar. Keiner da, der sich um die Instandhaltung kümmert, kein Geld für Material und so nagt die Zeit immer mehr an der gesamten Anlage.

Ich schaue in die ersten Zwinger und bin zunächst erleichtert. Keine offensichtlich kranken, verletzten Tiere. Einigermaßen saubere Zwinger mit jeweils ein bis zwei Bewohnern. Zwei Freiläufer auf Zeit, die uns freudig begrüßen. Ein guter erster Eindruck, doch das wird sich noch ändern…Reisebericht2_html_m589bc610

Susanne begrüßt uns und führt uns herum. Sie kennt viele Hunde und gibt uns einige Informationen. Ich schaue anfangs genauer, versuche jedem Hund ein wenig Beachtung zukommen zu lassen. Sei sie noch so klein. Wie viele Zwinger habe ich bereits hinter mir? Wie viele Augen, in die ich schaute und wie viele kommen noch? Zwei Zwinger stehen leer. Ich freue mich, denn das heißt es ist Platz für Hunde aus der Tötung. Zu früh gefreut, denn die Türen sind kaputt. Sie können nicht benutzt werden. In einem Raum dafür zwei weitere Hunde. Susanne zeigt sie uns durchs Fenster. Zwei zuckersüße kleine Wuschel, die ganz aufgeregt springen, sich strecken nur um eine Berührung zu erhaschen. Auch aus der Tötung. Warnsinn! Ich kann es nicht fassen. Doch die Perrera ist voll und das Refugium auch. So ist nun dieser reizarme Raum ihr vorläufiges Zuhause. 108 Augenpaare, die mich mal aufgeregt, mal ängstlich, mal freudig anschauten, später, haben wir alles gesehen. Wir übernehmen einen Bereich mit 27 Hunden, die wir täglich füttern und versorgen. Ich werde jeden einzelnen davon lieb gewinnen.
Die einzelnen Bereiche haben ihre jeweiligen umzäunten Ausläufe. Um Verletzungen vorzubeugen darf jeweils nur ein Zwinger pro Bereich geöffnet werden. Zu schlecht waren die Erfahrungen in der Vergangenheit. Es gibt hier so viele Türen, die stets geöffnet und wieder geschlossen werden müssen und so ziemlich jedes Schloss klemmt. Das ist Bernds Baustelle. Er gibt sich alle Mühe, um den Alltag hier ein wenig zu erleichtern und freut sich über jeden kleinen Erfolg. Das tun wir alle. Denn ich kann nicht zählen wie häufig ich vor Türen stehe, die ich nicht öffnen kann. Drücke, ziehe, hebe… Es hilft alles nichts, meine Finger sind bereits wund. Nur mühselig schaffe ich es hindurch. Einmal kurz nicht richtig aufgepasst und schon entwischt mir der erste Hund. Anscheinend habe ich das Schloss doch nicht richtig verschlossen. Mist! Nieves fängt ihn wieder ein. Es ist nichts passiert, aber ich muss besser aufpassen. Die lange Reise fordert so langsam ihren Tribut. Marion und ich sind total erschöpft und ein wenig reizüberflutet. Wir fahren ins Hotel zurück und lassen die vielen Eindrücke erst mal sacken.
Der zweite Tage beginnt entspannt und ausgeschlafen mit einem Frühstück im Hotel. Wir sind voller Tatendrang und freuen uns auf die Arbeit im Refugium. Als wir ankommen, sind Susanne und Bernd bereits da. Wir beginnen sofort mit dem Reinigen der Zwinger. Lassen uns viel Zeit, so dass die Hunde mal länger draußen sind als die üblich 5 Minuten am Tag. Doch die Hunde kennen es nicht anders und kehren nach kurzer Zeit wieder in ihren Zwinger zurück, so dass wir so manch einen tatsächlich aussperren müssen, um ihn draußen zu halten. Die Hunde sind alle freundlich und auf ihre ganz eigene Art besonders. Einige stürmen aus den Zwingern um die angestaute Energie zu entladen und andere kommen sofort zu uns um ihr Nähe Bedürfnis zu befriedigen. Wieder andere scheuen jeden Kontakt und sind kaum aus ihren Zwingern zu locken. Die Stunden vergehen und wir kommen nur sehr langsam voran. Ich bin zwiegespalten. Einerseits würde ich gerne mit der Arbeit fertig werden um mich nur noch den Hunden zu widmen und andererseits gönne ich jedem Hund jede einzelne Minute außerhalb ihres kleinen Zwingers. Es ist Samstag und außer uns sind an diesem Tag noch einige weitere Helfer gekommen. Ich freue mich zunächst über so viel Einsatz seitens der Einheimischen. Doch Nieves sagt, das sei nur der Schein. Man ist neugierig auf uns und möchte seine eigene „Tierliebe“ demonstrieren. Die Realität schaut anders aus. Nicht selten findet Nieves niemanden vor und versorgt alle Hunde alleine. Am Sonntag ist auch genau dies der Fall. Viele Konflikte prägen hier den Alltag. Das macht die Arbeit noch schwieriger als sie ohnehin schon ist. Nieves wünscht sich eine kleinere Anlage nur für sich und einige wenige, die ihren Einsatz befürworten und unterstützen, denn derzeit sind noch zwei andere Vereine hier ansäßig, die jedoch ihre eigenen Vorstellungen von Tierschutz haben. Doch es gibt keinen Ort und so muss man sich weiterhin irgendwie arrangieren. An diesem Abend finde ich nicht zur Ruhe. Ich liege die halbe Nacht wach und denke nach. Vieles will mir einfach nicht aus dem Kopf gehen.

Ich denke an Caballo, den so sanft wirkenden Riesen. Er hatte das Glück vermittelt zu werden, doch irgendetwas ging schief und er griff seine Besitzer an. Nieves brachte ihn zurück, doch auch sie wurde plötzlich angegriffen. Den Grund für diese Wandlung werden wir wohl niemals erfahren. Für Caballo besteht keine Hoffnung mehr. Er ist nicht vermittelbar. Sein Leben wird er in diesem Zwinger verbringen müssen. Es bricht mir das Herz. Was kann man für diese arme Seele nur tun? Ich dachte daran einen größeren Zwinger zu bauen, damit er wenigstens ein wenig laufen kann. Platz wäre da, doch woher das Geld und wer würde ihn bauen? Verliere mich in Planungen für etwas, dass ohne ein Wunder wahrscheinlich niemals real wird… Es tut mir unendlich leid. Ich kann nichts für dich tun.

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Ich denke an Lorena, die etwas zu dick geratene Schmusekugel, die jede Berührung durch das Gitter ihres Zwingers so sehr genossen hatte. Sie legt viel Wert auf Ordnung und Sauberkeit in ihrem Schlafplatz und hat als einziges einen Ratankorb als Bett. Andere hätten diesen schon längst in seine Bestandteile zerlegt, nicht so Lorena. In dieser so trostlosen Umgebung hat sie sich ein kleines gemütliches Nest gemacht, als wüsste sie, dass dies hier nun ihr zuhause bleiben wird. Denn auch für sie interessiert sich leider niemand.

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Ich denke an Kiwi den kleinen schwarzen Wuschel, der keine Minute still halten kann. Er ist so verfilzt, dass auch kein Bürsten mehr hilft. Marion und ich beschlossen ihn zu baden und ihm wenigstens, die durch Durchfall stark verfilzten Haare am Hinterteil zu stutzen. Mehr konnten wir nicht für ihn tun. Wie gern wüsste ich was sich hinter diesen schwarzen Zotteln verbirgt. Ich bin sicher er ist wunderschön.

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Ich denke an Rubio, der so wunderschön ist und dennoch will ihn keiner haben. So wunderschön und liebevoll, verschmust… Ich kann es nicht verstehen. Ihn nahm ich mit zu den Katzen, die auf dem Gelände leben. Etwas schüchtern und vorsichtig, aber keine Spur von Feindseligkeit. Ich bin sehr zufrieden. Vielleicht wird ja er mein nächster Pflegehund?

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Ich denke an die zwei sanftmütigen Galgos, die so eine Ruhe und Eleganz ausstrahlen, dass mir der Atem stockt. Welch schöne Tiere. Sie sind fast die einzigen, die sich dem lauten Gebell nicht anschließen. Ich lasse sie im größten Auslauf laufen, denn das brauchen sie so dingend. Nach einigen wahnsinnig schnellen Runden, finde ich sie an meiner Seite wieder. Sie folgen mir wo ich auch hingehe, ohne dabei aufdringlich zu sein. Ich bin hin und weg.

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Ich denke an Marcos, dessen Körper überseht ist mit Narben und dennoch ist er so unendlich lieb. Immer noch vertraut er den Menschen. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was ihm passiert ist. Er leidet furchtbar in seinem Zwinger, denn sein Bewegungsdrang ist einfach zu hoch für diese kleine Fläche.

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Ich denke an Pepelu, mein Pflegehund, der in diesem Moment an meiner Seite liegt. Ihn konnte ich mitnehmen. Das spendet mir ein wenig Trost. Er muss nicht mehr an diesem Ort leben. Genießt die Wärme und Geborgenheit eines Zuhauses, auch wenn es nur vorläufig ist. Dieser kleine tolle Hund, der verschmust, verspielt und so treu ist. Er folgt mir auf Schritt und Tritt und versteht sich hier mit Hund, Katze und Kleinkind.

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Ich denke an all die Namenlosen, die sich dennoch in mein Gedächtnis gebrannt haben. Der große Mischling mit dem Zwingerkoller, der sich wie verrückt im Kreis gedreht hat. Der Wunderschöne, der soviel Angst hatte, dass er niemals seinen Zwinger verlassen wollte. Der Schäferhund mit dem schönen Fell, der aus seinen Zwinger geschossen kam und wie verrückt einfach nur gerannt ist. Ich denke an den Großen, den ich erst am letzten Tag gesehen habe. Mir fällt sein etwas merkwürdig geformter Kopf auf. Susanne sagt, dass die Deformierung psychische Gründe haben kann. Ich bin schockiert. Ich versuche ihn zu mir zu locken, um ein Foto zu schießen, doch er traut mir nicht. Er hat bereits aufgegeben, das verraten mir seine Augen. Es sind Momente wie diese, die mir diese schreckliche Ohnmacht auferlegen, denn ich weiß, dass ich auch ihm nicht helfen kann.

Es sind nur einige wenige, die hier Erwähnung finden, weil es einfach zu viele sind. Nichts desto trotz bleiben auch die unerwähnten in meinem Gedächtnis, oft nur als einzelnes Bild ihres Anblickes, aber dennoch unvergessen.

Die Tage vergehen. Die Zeit scheint mir davon zu rennen. Marion und ich beschließen uns heute mit den Zwingern zu beeilen, damit wir hinterher nochmals alle raus lassen können. Ich habe noch soviel vor… Susanne fragt mich, ob ich ihr mit den Fotos helfen kann. Alleine ist es fast unmöglich ein schönes Foto zu schießen und dabei ist es doch so wichtig. Ein gutes Bild kann das Ticket nach draußen bedeuten. Doch das ist einfacher gesagt als getan. Fotos sind leider außerstande den Zauber der Tiere einzufangen, ja sogar manchmal ihr tatsächliches Äußeres. So wundern wir uns manchmal wieso dieses tolle Tier, welches da vor uns steht, auf den Fotos einfach nicht mehr toll ausschaut. Ich verabschiede mich von dem Gedanke heute nochmal alle wenigstens kurz laufen zu lassen, denn ich muss Prioritäten setzen. Die Zeit reicht einfach nicht mehr aus für beides. Also verbringe ich den restlichen Tag damit Susanne bei den Fotos zu helfen. Es ist bereits dunkel als wir an diesem Tag zum Hotel zurück fahren.
Am nächsten Morgen reist Marion bereits ab. Einen Tag früher als ich. Ich habe einen Flug mit Air Berlin gebucht, damit ich Pepelu mitnehmen kann. Mit Ryan Air geht das leider nicht. Ich schließe mich nun Susanne und Bernd an. Beim gemeinsamen Frühstück entdecken wir ein Rudel Podencos, die an unserem Hotel vorbei streifen und offensichtlich nach fressbaren suchen. Ich unternehme den Versuch sie zu füttern, doch sie sind viel zu scheu und blitzschnell auf und davon. Auf dem Weg zum Refugium wieder zwei kleine Streuner. Doch an Anhalten ist nicht zu denken. Die Straße ist zu befahren und nirgends ist Platz zum halten. Also fahren wir weiter und geben auch heute unser bestes um allen gerecht zu werden. Doch dies bleibt ein utopisches Ziel. Ganz gleich wie ich es versuche, ich werde es nicht schaffen. In der Nacht hat es stark geregnet. Einige Zwinger bestehen nur noch aus riesigen Pfützen. Die Hunde sind total schmutzig und nass. Es ist sehr kalt an diesem Tag. Auch das noch… Am Nachmittag holt uns Nieves ab. Susanne und ich fahren mit ihr in die Perrera. Es sind nur etwa 10 Minuten Fahrt. Mitten im Nirgendwo ist das mit hohen, weißen Mauern begrenzte Gelände. Und wieder stehen wir vor etlichen Zwingern, doch diese hier sind anders. Die Hunde haben nichts hier! Sie schlafen auf kalten Beton. Wenn sie Glück haben, dann beinhaltet ihr Zwinger ein Europalette aus Plastik oder Nieves hat ihnen ein Hundebett aus Plastik reingestellt. Tag ein, Tag aus in diesem kalten, kleinen Gefängnis. Niemand sollte so leben müssen und doch geschieht es. Nieves führt uns herum. Erzählt über die einzelnen Hunde. Sie kennt sie alle. Auf dem Gelände steht ein kleines Gebäude. Bis auf einen Raum sind auch hier überall Hunde unter gebracht. Ich zähle 50 Zwinger, die manchmal einzeln und meist doppelt bis vierfach belegt sind. Ich schätze es sind etwa 100 Hunde, die hier ihr da sein fristen müssen.
Wir haben alles gesehen. Susanne fragt, ob ich mich an die einzelnen Hunde so kurz nach der Besichtigung noch erinnern kann. Welche mir im Gedächtnis geblieben sind. Ich überlege. Es sind nur einige wenige, denn es sind einfach zu viele. Nur die, die etwas besonderes an sich hatten bleiben unvergessen. Der Schäferhund, dem ein Ohr fehlte, die zwei großen Schwarzen, die so auffallend sanft waren und ein weiterer Schäferhund, der sich wohl aus Verzweiflung die Pfoten am Gitter verletzt hat. Sein Blut klebte noch am Zwingerboden. Und natürlich noch die wenigen kleinen Hunde, die im Gebäude gehalten wurden, weil einfach kein Platz mehr da ist. Nieves sagt, dass es in der Perrera nur wenige kleine Hunde gibt, weil sich die Leute mehr durch die großen Streuner belästigt fühlen und sie daher einfangen lassen. Die kleinen bleiben auf den Straßen zurück. Werden überfahren, sterben an Krankheiten oder haben Glück und werden von Nieves eingefangen und ins Refugium gebracht. Wir stehen nur da und blicken auf die vielen Zwinger. Es ist ein furchtbarer Moment. Egal wie viel wir tun, es scheint kein Ende in Sicht zu sein. Ein Fass ohne Boden, ein Kampf ohne Aussicht auf Sieg. Die ganze Mühe scheint in diesem Moment nichtig. Sie versickert in den flehenden Augen, die uns durch die Gitter anblicken. Ich stehe noch am Anfang dieses steinigen Weges und meine Hoffnung ist noch groß. Doch wie müssen sich die Menschen fühlen, die Tag für Tag alles geben, für jede einzelne Seele kämpfen? Wie stark müssen diese Menschen sein um nicht daran zu zerbrechen? Ich habe Respekt vor Menschen wie Susanne, Bernd und Nieves, die einfach nicht aufgeben, ganz gleich es manchmal aussichtslos erscheint.
An meinen letzten Tag verbringe ich die Zeit damit mich ein letztes mal voll und ganz den Hunden im Refugium zu widmen und das Gefühl des gestrigen Tages abzuschütteln. Ich teste noch einige als potenzielle Pflegehunde, zähle endlich alle durch, bade Pepelu, reinige einige Zwinger und ziehe mich schließlich um. Pepelu und ich sind reisefertig und warten auf Nieves, die uns zum Flughafen fahren wird. Ich verabschiede mich von Bernd und Susanne und dann geht’s auch schon wieder zurück nach Hause.

Reisebericht2_html_4e7276d0Gruppenfoto, von links nach rechts Malwina, Marion, Bernd, Susanne, Nieves

Nach kurzer Fahrt sehen wir einen kleinen Streuner direkt neben der Straße sitzen. Wir beschließen ihn mitzunehmen, doch das ist gar nicht so leicht. Es ist eine doppelspurige Schnellstraße und so können wir erst am nächsten Kreisverkehr wenden. Wir kommen einige Meter weiter zu stehen, denn wir wollen den kleinen Kerl nicht erschrecken. Er soll nicht auf die Straße rennen. Wir warten bis kein Auto in Sicht ist und gehen vorsichtig auf ihn zu. Plötzlich springt er auf und läuft über die Straße. Mein Herz setzt einen Moment lang aus, denn ich sehe die nächsten Autos näher kommen. Wir rudern mit den Armen und machen auf ihn aufmerksam, denn hier bremst kaum einer, nur weil ein Hund auf der Straße ist. Für mich unvorstellbar, aber scheinbar Alltag hier. Die Autofahrer reagieren und werden tatsächlich langsamer. Der Streuner schafft es über die Straße. Dieses mal… Wir können ihm nur noch hinterher schauen. Nieves bringt mich bis zum Check In und dann sind da nur noch Pepelu und ich. Ich bin noch nie allein geflogen und das noch mit meiner Flugangst. Wir werden auf Mallorca zwischenlanden. Auch das noch… Der Flieger hebt ab und das erste mal habe ich Mühe meine Tränen zurück zu halten. Ich fliege heim und lasse sie zurück. Wohl wissend, dass es für viele kein anderes Leben mehr geben wird als das, welches sie jetzt führen müssen. Ich hoffe für jeden einzelnen, obgleich es hoffnungslos erscheint. Denke an die leeren Blicke derer, die bereits aufgegeben haben. Ich kann ihnen nicht helfen… Dann blicke ich auf die kleine Transportbox zu meinen Füßen und lächle. Ihm hier konnte ich helfen.

Murcia 2015…Eindrücke einer deutschen Tierschützerin…
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