Susanne Tölles Reise nach Murcia 2013

Endlich ist es soweit. Heute ist der 19. Januar. In den letzten Wochen haben wir vielen Spendengesammelt und alles Mögliche zu organisieren gehabt. Heute Nacht um 24.00 Uhr kommt Thomas aus Lüneburg mit dem Sprinter und holt uns ab. Ich bin so nervös, dass ich gar nicht mehr versuche zu schlafen. Mein Mann Bernd hat die Ruhe weg und schläft tatsächlich noch. Aber jetzt soll es auch endlich losgehen. Als Thomas kommt, packen wir die ganzen Spenden ins Auto, quetschen uns nebeneinander und los geht`s. Die Fahrt bis Barcelona verläuft problemlos, obwohl es stundenlang nur schneit. Wir haben Zeit uns kennen zu lernen und haben eine Menge Spaß. Nach 16 Stunden Fahrt, beim Hotel angekommen, gehen wir sofort schlafen, denn wir sind ganz schön kaputt und morgen wird wieder ein langer Tag.

Um 8.00 Uhr am nächsten Morgen sitzen wir bereits wieder im Auto und fahren bei schönstem Sonnenschein zur 1. Abladestelle, nach Valencia zu Vicenta und ihrem Mann. Zwischendurch sehen wir tote Hunde auf der Autobahn.
Bei Vicenta werden wir herzlich empfangen und die Freude über unsere Spenden ist groß.

REISEBERICHT SPANIEN2016_html_4dff5641REISEBERICHT SPANIEN2016_html_3f7e42b3Dann geht es weiter zum Refugium nach Alcoy, Dort erwartet uns bereits Maite mit ihrem Mann.

Wir haben das seltene Glück gerade noch mitzuerleben, wie ein junges , spanisches Pärchen mit ihrem adoptierten Hund das Refugium verlässt. Das Einheimische einen Hund adoptieren ist immer noch die absolute Seltenheit, darum ist die Freude darüber groß.

REISEBERICHT SPANIEN2016_html_m6d7b0f53Allerdings zeigt Maite uns dann auch sofort einen kleinen, wuscheligen Welpen, der in der letzten Nacht über den Zaun geworfen wurde.

Leider ist das hier wohl keine Seltenheit.

Und weiter geht`s. Auf nach Murcia. Da hier allerdings niemand mehr beim Refugium ist, checken wir im Hotel ein, und bringen dann Thomas zu seinem Aufenthaltsort nach Mazzaron.

Am nächsten Vormittag haben wir Gelegenheit uns die Stadt anzusehen. Ich bin überrascht dort ein Geschäft zu entdecken, in dem Luxusartikel für Hunde angeboten werden. Was habe ich erwartet? REISEBERICHT SPANIEN2016_html_11b166caMittags holt uns Neus ab und zeigt uns das Refugium. Dort werden wir sehr herzlich aufgenommen. Jeder bemüht sich, uns den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Das Gebell der 120 Hunde ist ohrenbetäubend.

Fast alle drücken sich an die Gittertür um vielleicht eine schnelle Streicheleinheit zu bekommen. Einige wenige verhalten sich zurückhaltend und beobachten uns aus sicherer Entfernung. Alle Hunde machen einen freundlichen Eindruck. Neus bestätigt uns, dass wir bedenkenlos in alle Zwinger gehen können. Nur bei 4 Hunden hält sie es überhaupt für möglich, dass sie schnappen könnten. Ich bin überrascht, in den Tierheimen die ich in Deutschland kenne ist die Verhältnismäßigkeit doch eher anders herum.

Wir beginnen Zwinger zu säubern. Mit manchen Hunden spielen wir und Andere wollen einfach nur geknuddelt werden – nichts lieber als das. Ich nehme mir eine kleine, weiße Wuscheldame, die nur noch aus dickem Filz besteht, und schneide ihr die Augen frei. Vor lauter Freude dass sie wieder sehen kann, bekomme ich unendlich viele Küsschen.

Zwischendurch gehe ich immer mal wieder in den Zwinger der Pointerhündin Frida. So etwas Panisches habe ich noch nicht gesehen. Ich habe keine Ahnung was diese Hündin erlebt hat, aber es hat zur Folge, dass sie nur noch aus Angst besteht. Sie macht sich so klein wie es ihr möglich ist, und am liebsten würde sie sich in Luft auflösen.

Was für eine arme Maus!

Wir bekommen den Schlüssel fürs Refugium und sind früh am nächsten Morgen wieder da. Den ganzen Tag säubern wir die Zwinger, sammeln den Kot auf und füllen den ganzen Abfall in blaue Säcke. Jeden Abend stehen hier unendlich viele von diesen vollen, schweren Säcken, und man muss sie zur Straße bringen, an der noch ein ganzes Stück weiter ein Container steht. Zwischendurch nehmen wir uns immer mal wieder einen Hund nur zum Spielen aus dem Zwinger. Das ist das Highlight für die Hunde. Es geht einem das Herz auf wenn man sieht, wie sich freuen und uns das auch mitteilen möchten. Ich habe noch nie so viele liebe Hunde auf einem Haufen gesehen. Die Meisten kommen aus der Perrera und haben wahrscheinlich noch nie gute Erfahrung mit den Menschen gemacht, und trotzdem zeigen diese Hunde so viel Freude und Optimismus.

Frida ist der einzige Hund hier der dabei ist, sich selbst aufzugeben und nicht mehr an Rettung glaubt. Wenn ich in ihrem Zwinger bin, ist sie unverändert in die hinterste Ecke gedrückt, mit panisch aufgerissenen Augen. Dass ich sie streichele, kann sie kaum ertragen. Aber etwas hat sich verändert. Wenn ich den Zwinger verlasse und etwa 5m weit weg bin, schimpft sie furchtbar hinter mir her, richtig aufgebracht ist sie dann. Ich denke das ist ein gutes Zeichen.

So langsam bekomme ich eine Ahnung davon, was die 7 Frauen, die das hier alles ehrenamtlich machen, täglich leisten.

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In diesem kleinen Häuschen befindet sich das Büro.
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Büro, Krankenzimmer und medizinischer Raum in einem.

Sie gehen alle 4 mal die Woche, nach ihrer eigentlichen Arbeit, ins Refugium und arbeiten dort bis es dunkel wird. Und das ist wirklich eine Knochenarbeit. Dazu kommt noch, dass sie alle anfallenden Kosten (Futter, Tierarzt,….) selbst bezahlen. Die eingehenden Spenden können das nicht abdecken.

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Neus, Fina , eine Freundin und ich

Wir verlieben uns stündlich mehr in diese Tiere und könnten uns bei fast jedem vorstellen ihn zu adoptieren.

Was für ein Irrsinn, dass viele Tiere den Rest ihres Lebens hier verbringen werden, weil sie niemand haben möchte. In den ganzen Tagen kommt nicht ein Besucher vorbei.

Da ist z. B. der 1,5 Jahre alte Galgorüdenmix, Tigre. Er ist aus der Perrera und hat noch nichts Schönes erlebt. In Spanien erschießen die Jäger ihre Galgos, wenn es “ gute Hunde“ waren, waren es keine „guten Hunde“ werden sie lebendig an Bäume gehängt.

Wenn wir ihn aus dem Zwinger lassen ist er sehr an Schmuseeinheiten von uns interessiert. Er ist ganz vorsichtig und zärtlich im Umgang mit Menschen. Ein Bild von einem Hund, gesund und einfach nur lieb, auch mit anderen Hunden. Und doch nützt ihm das alles nichts, wie man uns erklärt. Denn ein Galgomix will sowohl kein Spanier, als auch kein Deutscher. Die Frauen dort, die ihn alle sehr lieben wissen, dass sie nichts für ihn tun können.

Tigre
Tigre

Er wird dort sterben. Und so geht es auch vielen anderen Hunden dort. Das macht uns schon sehr traurig.

Am Donnerstag geht es dann früh weiter zu Thomas nach Mazzaron. Dort lassen wir jetzt die letzten Spenden bei Paul, dem englischen Tierschützer und seinem Team. Kurz vorher wurde eine Kiste Welpen vorbei gebracht, die an der Autobahn ausgesetzt waren. Wir machen Fotos von Hunden für die Internetseiten, was ziemlich viel Zeit in Anspruch nimmt, da die Hunde nicht wissen wie wichtig ihr Aussehen auf dem Foto ist.

Der Sprinter wird vorbereitet, die Boxen zugeordnet. Dann haben wir noch Zeit am Strand einen Kaffee zu trinken und können feststellen wie schön dieses Land ist. Ein rauhes Land voller Widersprüche.

Freitagmorgen stehen wir um 5.00 Uhr auf. Wir sind alle etwas unruhig, weil wir wissen dass heute alles wie am Schnürchen klappen muss. Außerdem machen uns die Wetterverhältnisse in Frankreich und Deutschland Sorge, denn es wurde viel Schnee gemeldet, was auf der Hinfahrt schon sehr anstrengend war. Nur mit den Hunden im Auto ist das noch einmal eine andere Dimension.

Um 7.00 Uhr sind wir bei Paul und laden die ersten Hunde ein. Man merkt die Anspannung und der Abschied von den Hunden fällt schwer. Weiter geht es nach Murcia. Wir gehen nicht mehr zu den Hunden um uns zu verabschieden. Innerhalb dieser kurzen Zeit konnten wir schon erkennen, was hier für Schätze leben und wir möchten ihnen nicht noch einmal in die Augen sehen.REISEBERICHT SPANIEN2016_html_2957ef2b

Frida liegt panisch in ihrer Box und ich hoffe sie übersteht die Fahrt einigermaßen. Weiter geht es nach Alcoy zu Maite und ihrem Mann. Schnelle Begrüßung, Knuddeln der Hunde, Einladen und weiter geht`s.

REISEBERICHT SPANIEN2016_html_61c30321 REISEBERICHT SPANIEN2016_html_55f252e5REISEBERICHT SPANIEN2016_html_m7f911201Das Selbe findet dann auch in Valencia bei Vicenta statt. Alles geht zügig Hand in Hand über die Bühne. Dem Abschiedsschmerz wird keine Zeit gelassen. Dann noch die letzte Abholung von 3 kleinen Hunden, irgendwo an einer Autobahnabfahrt (sich jetzt zu verfahren wäre dramatisch) von der Österreicherin Gina. So, 22 Hunde sind eingeladen und ein langer Weg liegt vor uns. Es wird keine Pause mehr gemacht und nur noch Gas gegeben.

Samstagmorgen um 7.00 Uhr kommen wir bei Gaby in Bad Wimpfen an.

Viele nette Frauen erwarten uns dort und kümmern sich um die Hunde während wir frühstücken und uns ausruhen können. REISEBERICHT SPANIEN2016_html_9bfd90Die ersten Familien holen ihre Hunde ab und strahlen übers ganze Gesicht – das macht Freude.

Nach etwa 2 Stunden, etwas erholt, geht es weiter. Jetzt kommen nur noch die Abholstellen für die Familien: Köln, Büren und dann geht es nach Hause. Bei uns wartet schon die Pflegestelle für Frida. Sie ist sehr gestresst und es wird Zeit dass sie ihr neues Zuhause erreicht. Dann verabschieden wir uns von Thomas, der sich sehr bemüht hat uns alles zu erklären und in jeder Situation ruhig blieb. Er hat jetzt noch 2 Abholstellen und leider auch gemeldetes Blitzeis vor sich – gute Fahrt Thomas.

Wir sind jetzt von Freitagmorgen 6.00 Uhr bis Samstagabend 18.00 Uhr unterwegs und total kaputt. Trotzdem war es eine tolle Woche! Hochachtung vor allen Menschen die wir in dieser Woche kennen lernen durften. Das was ihr leistet ist nicht selbstverständlich und ich hoffe ihr habt noch lange die Kraft dazu. Ich freue mich über die Hunde, für die jetzt das schöne Leben beginnt! Aber ich weiß auch dass die fleißigen Damen in Murcia: Fina, Neus und ihre Freundinnen, die leeren Zwinger schon wieder besetzt haben, durch Hunde die aus der Perrera geholt werden.

Und ich frage mich wann dieser Wahnsinn jemals aufhören wird……………………………………….

Susanne Tölle

Susanne Tölles Reise nach Murcia 2013
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