Ella berichtet

 

 

 

 

Guten Tag, ich bin Ella. Ich wurde gebeten, einen Erlebnisbericht zu schreiben. Es freut mich, dass Sie Interesse daran haben, muss Ihnen aber gleich sagen, sehr viel Zeit habe ich nicht. In einer Stunde steht mein Personal Trainer zum Joggen auf meinem Terminplan. Aber ich werde meiner Privatsekretärin jetzt schnell was diktieren.

Also, geboren wurde ich 1996 in Mailand. Den Tag und den Monat habe ich leider vergessen (ups, oder war es anders herum, vergessen echte Diven nicht das Geburtsjahr…). Da ich von großer Schönheit und edelstem Charakter bin, wollte man von mir viele, viele Nachkommen. Schön war es in diesem Zwinger nicht, ich wusste aber immer schon, dass es sich hier eigentlich nur um ein großes Missverständnis handeln konnte. Hier gehörte ich nicht hin! Nach 7 Jahren kam ich dann an einen noch viel schlimmeren Ort. Er nannte sich Tierheim. Keine Ahnung, wer sich dies als neuen Aufenthaltsort für mich ausgedacht hatte. Unverschämtheit! Ich möchte mich nicht mehr an diesen Ort erinnern. Nur noch daran, dass ich von einer ganz lieben Tierschützerin aus Mailand gerettet wurde und in ihre Pension kam. Hier war es recht nett. Ich hörte dann, dass ich in eine Pflegestelle nach Bad Wildungen gebracht werden sollte. Ich! eine waschechte Mailänderin nach Bad Wildungen! Wo liegt denn das überhaupt? Nun ja, ich dachte an "Bad" und brachte das sofort mit Spa, Wellness, Pflege und Schönheit in Verbindung und willigte ein. Dort angekommen, erfüllten sich alle meine Erwartungen. Traumhaft. Ich wurde gebadet, gebürstet, gestreichelt, die Küche war gut. Ich dachte, hier könnte ich ewig bleiben. Dem war aber nicht so. Ich erfuhr nun, dass die reizende Dame nur so etwas wie eine Immobilienmaklerin ist, die mir ein neues, gegeignetes Haus sucht. Da die Dame sehr fleißig war, konnte ich am 14. September 2003 mein neues Haus beziehen. Dass es in Paderborn, tiefster Provinz in Westfalen liegt, verdränge ich bis heute!

Das Haus ist, ja wie soll ich sagen, verwirrend. Furchtbar viele Treppen! Ich wußte am Anfang nie, wo ich grad' bin. Die Sonnenterrasse ist ganz nett. Das Sofa mit Glattleder ist mir unangenehm, weil es einfach zu kalt ist. Ich habe sofort versucht durch anständiges Kratzen, Wildleder daraus zu machen. Am besten ist das beheizte Wasserbett, gleich gefolgt von der Küche. Das Personal besteht aus Frauchen, diese Berufsbezeichnung steht für: Personal Trainer, Köchin und Diätexpertin, Privatsekretärin und Gesellschafterin. Herrchen ist für meine Körperpflege wie, Zähneputzen, Maniküre, Pediküre etc. zuständig. Dann ist da noch ein Rüde, namens Vasco. Ich schätze man hat ihn zu meiner weiteren Gesellschaft und als Hofnarr eingestellt. Nette Geste. Die beiden Katzen runden das Bild meines Hauses gemütlich ab. Gewundert habe ich mich allerdings, dass sich das Personal abends mit mir in mein Bett legt! Ich bin soviel Nähe sonst nicht gewohnt. Es stellte sich allerdings schnell als sehr sinnvoll heraus, da man in den Schlaf gekrault wird und auch morgens eine leichte Weckmassage erhält. Alles in allem will ich mich also nicht beklagen.

 

Am 14. Dezember hatte ich eine schwere Totaloperation, die ich aber Dank' der Privatpflege gut überstanden habe. Ich war diese ewigen Hormonschwankungen einfach leid! Und der Hofnarr war ja sowas von aufdringlich!

Da ich an meinem Herrchen eine "künstlerische Ader" entdeckte, habe ich gleich mein Portrait für die Ahnengalerie in Auftrag gegeben. Ich frage Sie, wenn nicht jetzt, wann dann? Man wird schließlich nicht jünger und schöner und somit blicke ich jetzt majestätisch von der Wand meines Wohnzimmers…

Von Januar bis April war ich Mittwochs im Grundkurs des "guten Benehmens", danach bin ich erst mal in den Urlaub gefahren. Nach Langeoog, Ruhe tanken, Möwen jagen…

Ab nun werde ich Samstags mein Benehmen in der "Unterordnung" vertiefen. Sie sehen, mein Terminkalender ist laufend voll! Eine Dame von Welt, wie ich, hat halt' immer Verpflichtungen, deshalb benötige ich auch nach einem kurzen morgendlich Workout bis mittags meinen Schönheitsschlaf. Während dieser Zeit ist auch endlich mal das Personal aus dem Haus, man hat ja sonst so gar keine Privatsphäre mehr! Mittags gehe ich dann mit meiner Gesellschafterin spazieren, um dann erst mal wieder ein Mittagsschläfchen zu halten. Kommt dann Herrchen mit dem Hofnarr nach Hause, gehen wir alle noch mal gemeinsam auf die Jagd. Dann kocht die Diätassistentin ein ausgewogenes Mahl, was meinem Fell und meinem blendenden Aussehen zugute kommt. Danach bekommen der Hofnarr und ich eine gründliche Zahnreinigung und schauen dann entweder Fernsehen oder sind bei Freunden vom Küchenpersonal zum Essen eingeladen. So, nun genug von mir. Die Zeit drängt, ich bin bussy! Für weitere Fragen steht Ihnen mein Sekretariat jederzeit gerne zur Verfügung.

Herzliche Grüße

Ihre Ella

  

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