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Italienreport
Dieser alte Irish Setter hat es nicht geschafft. Eines Tages lag er leblos in seinem Zwinger, aus dem er niemals rauskommen durfte. Er starb nach einem ganzen Leben im Tierheim - wie so viele andere Hunde auch. Wir sind traurig, dass wir ihm nicht haben helfen können.
Verlassene Tiere Gemäß den LAV (Lega Anti Vivisezione, Verein gegen Tierversuchungen)-Schätzungen wurden im Jahre 2002 100.000 Hunde und 50.000 Katzen böswillig verlassen: Alarmierend ist die Sterblichkeitsangabe der verlassenen Hunde, welche 80% erreicht. Das Gesundheitsministerium veröffentlicht im Jahre 2001 die folgenden Hunde- und Katzenbevölkerungsdaten bezüglich den Jahren 1999/2000: 816.610 herrenlose Hunde und 1.290.692 herrenlose Katzen. Gemäß den nationalen LAV-Schätzungen ist die Anzahl der Hunde, die in verschiedenen Tierheimen unterbracht sind, 1.600.000! Die auf der Autobahn verlassenen Hunde sind weniger als zuvor: In den ersten zwei Jahren vom Jahr 2000, gegenüber des vorherigen Jahrzehnten, ist eine Verminderung von 70% festgestellt worden. Die Hunde und die Katzen werden in anderen Orten verlassen, wie zum Beispiel vor Tierheimen, in Stadtzentren und in der Nähe von Ferienorten. 200 sind die Personen, die jährlich wegen Strassenunfälle sterben in welchen Hunde verwickelt waren - 4.000 sind die Personen, die in diesen Autounfällen verwickelt und auch oft schwer verletzt werden. In der Lombardei werden jährlich, gemäß der Angaben des regionalen veterinären Dienstes, ca. 11.000 verlassene Hunde von den lokalen Gesundheitsdiensten aufgenommen, mehr als 900 im Monat, mehr als 30 im Tag. Der Alarm ist hoch: Tierheime und freiwillige Assoziationen haben keine Plätze mehr verfügbar; sogar die letzten wenigen Plätzen sind weggegeben worden.
Wieso gibt es in Italien so viele verlassenen Hunde? Der Hauptfaktor, der zum Phänomen beiträgt, ist die geringe Kultur der Kastration. Die Privaten tragen enorm bei, die Reihe der verlassenen Hunde zu verlängern. Wenn jeder Private sein eigenes Tier sterilisieren würde, würde auch die Anzahl der verlassenen Hunde stark sinken. Die Hunde werden nicht sterilisiert, weil die Kultur der Sterilisation als eine Handlung gegen die Natur betrachtet wird (als ob die Ertrinkung von jungen Tieren an dessen Geburt hingengen “natürlich” ist) oder weil die Sterilisation zu teuer ist (auch wenn dann bevorzugt wird einen Pelzmantel zu kaufen). Die Tierärzte helfen nicht, im Gegenteil, normalerweise raten sie den Eigentümern ihr Hündchen nochmals zu schwängern bevor es sterilisiert wird. So kommt es dazu, dass die Tierheime, mit Beeinflussung der momentanen Mode, sich immer mehr von Dalmatinern oder Mix-Dalmatinern, Deutschen Schäferhunden oder Mix-Deutschen Schäferhunden, und momentan von Pitbull oder Mix-Pitbull bevölkern. In Italien gibt es glücklicherweise viele Liebhaber der Tiere, aber es gibt auch viele Personen die ein Tier adoptieren / als Geschenk erhalten / einkaufen, ohne an die Vor-und Nachteile zu denken, zum Beispiel einfach um den Trotz eines Kindes zu befriedigen. Und so füllen diese jungen Tiere, welche vom Christkind gebracht worden sind, bei Sommerbeginn die Tierheime. Es gibt dann viele verlassene Jagdhunde, weil diese nicht fähig sind zu jagen, und Zuchthunde, für welche das Risiko der Sterbehilfe besteht, weil sie nicht mehr für die Vermehrung nützlich sind oder “fehlerhaft” geboren sind.
Wo / Wie wird man Eigentümer eines Hundes? Privat: “hausgemachte” Schwängerungen. Junge Hunde werden „reserviert“ aber im Moment der Entwöhnung nicht abgeholt, junge Hunde werden adoptiert aber nach wenigen Wochen / Monaten besteht nicht mehr der Wunsch, einen Hund zu besitzen. Es gibt zu viele Private, die ohne Skrupel an irgend jemandem einen jungen Hund abgeben.
Läden: hier genügen wenige Euro, um einen Rassenhund, oder auch Mix zu kaufen. Niemand prüft die Tauglichkeit des Käufers und kein Rat wird ihm während des Einkaufs gegeben sowie auch keinerlei Informationen bezüglich der Rasse. Der Einkauf in einem Laden eines jungen Hundes unterstützt auch den Markt der jungen Hunde, welche von den östlichen Ländern in schlechten Gesundheitsbedingungen nach Italien gelangen.
Zucht: Es gibt wenige ernste Zuchtheime, die von richtigen Hunde-Liebhabern spezifischer Rassen verwaltet werden, hingegen gibt es zu viele Personen, die sich als Züchter verkaufen und mehrere Rassen züchten und bei der Wahl von den Erzeugern die Persönlichkeitskennzeichen der Hunde nicht in Betracht nehmen. Es gibt zu viele Zuchtheime mit Tierheimen, die nicht die Vorschriften respektieren und folglich beschlagnahmt werden. Es gibt zu viele Zuchtheime mit einer "Überproduktion" von jungen Hunden. Die unverkauften jungen Hunde und deren Vermehrer, die nicht mehr nützlich sind, risikieren umgebracht zu werden, weil es wirtschaftlich nicht vorteilhaft ist, sie am Leben zu halten.
Tierheime: Glücklicherweise wenden sich die Leute in den letzten Jahren, zu mindest in Nord-Italien, immer mehr an die Tierheime, um einen Hund zu haben. Leider werden teilweise auch die Wohlgesonnenen entmutigt; die Öffnungszeiten der Tierheime sind sehr unbequem, die Hygiene- und Gesundheitsbedingungen der Tierheime sind sehr schlecht, das Personal der Tierheime bietet eine mangelhafte Hilfe bei der Wahl eines Hundes. Zudem werden die Leute von dem psychologischen Zustand von Hunden, die jahrelang als "Zuchthäusler" gelebt haben und nie aus ihren Käfigen ausgetreten sind, negativ beeinflusst.
Was geschieht mit den verlassenen Hunden? Wie leben sie in den Tierheimen? Das Gesetz schreibt vor, dass die umherirrenden Hunde auf Befehl der Stadtpolizei gefangen und ins Tierheimen gebracht werden, welche mit den Gemeinden ein Abkommen haben. Diese Tierheime sind normalerweise überfüllt und werden von Personen, die nicht wirkliche Tierliebhaber sind, verwaltet, deren Hauptinteresse der Verdienst ist. Je mehr Hunde in den Tierheimen sind, desto größer ist der Verdienst (Adoptionen werden nicht gefördert, ältere sterbende Hunde werden lebendig gehalten). Je tiefer die Verwaltungskosten sind, desto größer ist der Verdienst: wenig Futter (trockenes Brot, abgelaufene Ravioli, usw.), wenig Personal (eine Person für 100 Hunde oder mehr), Gehege in schlechtem Zustand in welchem 20/30 Hunde sind und kleine überfüllte Käfige ohne Schutz vor der Winterkälte (oft sind die Hunde nass!) und vor der Sommerwärme (die Hunde suchen hoffnungslos nach Schatten und Wasser). Die veterinärärztliche Hilfe ist vom lokalen Gesundheitsdienst garantiert. Dieser endet jedoch mit der Tätowierung/Chip und den Impfungen der eingehenden Hunde. In einigen Zonen sterilisiert manchmal der Gesundheitsdienst die Weibchen, aber oft geschieht auch das nicht. Wenn die ersten 10 Tage vergangen sind, gehen alle Kosten, auch die tierärztlichen, zu Lasten der Gemeinde und des Tierheimes. Deswegen werden die Impfungen nicht mehr durchgeführt, die Filaria-Vorbeugung nicht ausgeführt und, obwohl notwendig, werden die Hunde manchmal sogar nicht mal mehr gepflegt/operiert. Beispiel - ein Hund mit fortgeschrittenem Brustkrebs, offener Wunde etc.. Zu viele Hunde auf geringem Platz: Die Hunde beißen sich untereinander, manchmal bis zum Tode. Sie haben wenig Platz, um sich zu bewegen; es gibt Hunde, die die Tierheime erst nach vielen Jahren verlassen und nicht mehr fähig sind zu laufen, da sie keine Muskulatur mehr haben. Das durchschnittliche Verhältnis Wärter/Hunde ist etwa ein Wärter auf 100 Hunde, und deswegen kann es vorkommen, dass das Tierheimpersonal nicht merkt, dass ein Hund krank ist. Der Wärter öffnet die Box, reinigt sie rasch und schließt sie wieder, um zur nächsten Box zu gehen. Wenn ein Hund sich dem Wärter nähert, um zu spielen wird er entfernt, weil ihn dies sonst Zeit kosten würde; dies ist der einzige Kontakt zu Menschen. Seit Kurzem und vor allem in Nord-Italien haben die freiwilligen Tierliebhaber Zugriff an diesen Strukturen und versuchen, die Adoptionen zu fördern und ein neues Verhältnis bei den Hunden zu erschaffen, usw. Solche Strukturen unterbringen durchschnittlich 100 bis 300 Hunde und in außergewöhnlichen und ernsten Fällen auch bis zu 1000 Hunde. Neben dieser Strukturen gibt es private Tierheime und Verbunde, welche diese Hunde auf eigene Kosten in Pension unterhalten. Private Tierheime werden üblicherweise von sehr tierliebenden Menschen geführt. Diese werden allerdings von so vielen Hilfsforderungen und Schulden überschwemmt, dass sie sich manchmal, widerwillen, in überfüllte und schlechte Strukturen verändern. Diese Tierverbunde versuchen, das Phänomen des Randagismus einzuschränken, indem sie Sterilisierungspropaganda und Einschreibung des Hundes beim Anmeldeamt fördern. Entsprechend der erhaltenen Schenkungen werden Hunde (durchschnittlich ca. 50) aufgenommen. Diese Hunde werden meistens von skrupellosen oder sich in Schwierigkeiten befindenden Besitzer abgegeben oder von obengenannten Strukturen entnommen: diese wenigen aber beglückten Tiere werden gut gepflegt, aber leider in Käfigen untergebracht. Sie haben bessere Möglichkeiten, adoptiert zu werden, da sie mittels Werbung/Radio/Fernsehn/Presse/Internet veröffentlicht werden. Übrigens werden diese Hunde einmal in der Woche von den freiwilligen Mitgliedern spazieren geführt: sind deshalb gesellig und können sich leichter in einem Familienleben einfügen. Allerdings ist die Anzahl der Hunde, die adoptiert werden sollten, abnorm höher im Verhältnis zu den Familien, die auf der Suche eines Adoptivhundes sind, sodass auch ein ganz junger Hund der Gefahr ausgesetzt ist, alt zu werden und sein ganzes Leben im Hundeheim zu verbringen. Anders ist die Situation in Suditalien, wo Herden von verwilderten Hunden durch die Gegend streuen. Es ist deshalb ein Zusammenleben mit dem Menschen undenkbar. In Calabrein sind z. B. diese Hunde sogar mit dem Wolf gemischt. Es kommt aber auch vor, dass sich in manchen Städten des Südens viele umherirrende Hunde sogar mit den Menschen vergesellschaften: sie leben frei in den Straßen und haben ihre "Fütterungsorte". Diese Hunde ("Stadtviertelshunde" genannt) werden meistens von der Öffentlichkeit akzeptiert, sterilisiert und tätowiert. Sehr bewundernswert ist die Initiative von Dorothea Fritz der "Pro-Animale" von Caserta die mit Ihrer Mobilklinik hunderte von streuenden Hunden im Süden sterilisiert hat. Siehe http://web.tiscali.it/legaproanimale/
Werden die Hunde umgebracht ? Bis zum Jahre 1991 wurden die Hunde in den öffentlichen Tierheimen 3 Tage - 2 Wochen nachdem sie aufgefangen wurden, getötet, falls nicht vom Besitzer zurückverlangt. Am 14. August 1991 wird das Gesetz 281 gültig, indem die aufgefundenen, gefangengen Hunde nicht mehr umgebracht werden dürfen. Lange erwartetes Gesetz seitens der Animalisten! Die Strukturen waren/sind leider nicht in der Lage, soviele Hunde aufzunehmen ... es ergeben sich Überfüllungszustände und dementsprechend auch "Zerfleischungen". Kein Gesetz verhindert hingegen, dass ein Besitzer seinen eigenen Hund zum Tierarzt bringt um ihn einschläfern zu lassen, auch wenn er jung und gesund ist. Glücklicherweise verweigern sich viele Tierärzte und wenden sich an Tiervereine zur Abhilfe.
Gibt es Sterilisierungprogramme ? Das Gesetz 281/91 sieht vor, dass Katzenkolonien und Hunde, die in öffentlichen Tierheimen aufgehoben sind, sterilisiert werden. Leider sind meistens die lokalen Gesundheitsdienst nicht in der Lage, dies zu erfüllen (so kommt es vor, dass Hunde unbewusst trächtig adoptiert werden). Die Hunde, die in Privattierheime oder von Tiervereinen aufgenommen werden, können nur sterilisiert werden, wenn es die wirtschaftliche Lage erlaubt, da der Staat nicht beiträgt. Also nicht nur Privatbesitzer, sondern auch öffentliche Tierheime tragen dazu bei, die Hundebevölkerung zu vermehren.
Wie funktioniert die Hundeeinschreibung beim Anmeldeamt ? Im 1987 wurde in der Lombardei die Hundeanmeldung pflichtmäßig eingesetzt, um zu erlauben, dass alle Tiere (also auch die abgestoßenen) identifiziert werden können. Leider werden nicht alle Hunde angemeldet. Man rechnet, dass in der Lombardei je 10 Einwohner einer einen Hund besitzt, ungefähr also 900.000 Hunde. Ca. 400.000 Hunde sind tätowiert. Mehr als die Haelfte der lombardischen Hundebevölkerung ist nicht angemeldet ! (ganz zu schweigen vom Süden, wo fast keiner tätowiert wird). Im Jahre 1991 wird die Hundeanmeldung (Gesetzt n° 281) im ganzen Land eingeführt. Dem angemeldeten Hund (bei den Gemeinden oder lokalen Gesundheitsdienst) wird ein Erkennungszeichen tätowiert. Kürzlich wurde in der Lombardei die Tätowierung mit einem Mikrochip ersetzt: es ist eine sicherere Methode, um das Tier zu erkennen und sie ist dauerhafter. Mit der Zeit kann das Erkennungszeichen unsichtbar werden oder es kann auch vorkommen, dass bevor das Tier ausgestoßen wird, ihm ein Stückchen der Haut weggeschnitten oder angebrannt wird um das Erkennungszeichen zu entfernen.
© Corinna Epifania & Edgar Meyer
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