Ein Hund für eine Flasche Wodka

 

 

 

 Hallo ! Ich bin ein kleiner Hund. Heute kann ich sagen: „ich bin ein glücklicher kleiner Hund !“ Das war aber nicht immer so, und davon möchte ich euch erzählen:

Ich wurde auf der Straße geboren, in einem alten Pappkarton der nach Abfall roch. Meine Mama war sehr dünn und hatte kaum Milch für mich und meine sechs Geschwister, aber sie hatte uns sehr, sehr lieb !
Unser Herrchen lebte mit uns auf der Straße, unter einem Bahnübergang. Er versuchte, sich gut um unsere Mama zu kümmern, aber oft bekam sie nichts zu Essen, weil er kein Geld für Futter hatte.
Schon nach wenigen Wochen hatte meine Mama keine Milch mehr für uns Welpen, sie war zu schwach und unterernährt um uns zu versorgen. Viel zu schnell kam der Tag, an dem ich meine Mama und meine Geschwister zum letzten Mal sehen sollte; damals war ich grade 6 Wochen alt...
Ein Mann kam zu unserem Herrchen und setzte sich zu uns unter den Bahnübergang. Sie sprachen miteinander und unser Herrchen tätschelte oft liebevoll über unsere Köpfe.
Der andere Mann schaute mehrmals zu uns hinüber, fragte unser Herrchen viele Dinge über uns. Ich krabbelte von der alten Decke, auf der meine Geschwister und meine Mama schliefen, und begann mit einem Grashalm zu spielen. Ich hatte fürchterlichen Hunger, denn etwas zu essen hatte ich seit zwei Tagen nicht mehr bekommen. Irgendwann stand der fremde Mann auf, drückte meinem Herrchen eine Flasche mit etwas durchsichtigem darin in die Hand und wandte sich uns zu. Neugierig lief ich auf ihn zu, vielleicht wollte der mit mir spielen ?
Der Mann packte mich im Genick , hob mich hoch und betrachtete mich eingehend: „kräftiger Bursche, den nehme ich“
Mein Herrchen nickte, schüttelte dem Fremden die Hand und strich mir noch einmal grob über den Kopf. „Machs gut Kleiner“ flüsterte er, und der Mann nahm mich mit.
Meine Mama hob noch einmal ihren Kopf und winselte leise. Damals wußte ich noch nicht, dass ich sie und meine Geschwister das letzte Mal gesehen hatte.
Der Mann steckte mich unter seine Jacke, es roch nach Alkohol und Tabak und ich bekam kaum Luft. Niemals werde ich diesen Geruch vergessen – er hat sich in mein Gehirn genauso tief eingebrannt wie das Gesicht meiner Mama.
Ab jetzt wohnte ich vor einer Bäckerei, auf einem Schlafsack, der nach Urin und Tabak roch. Der Mann – mein neues Herrchen – nahm mich unter seine Jacke und wärmte mich, ich war ja noch so klein. Ich fror und ich hatte Hunger, aber zu essen gab es nur wenig – mal ein Stück Apfel, ein Wurstbrot oder ein Stück Bratwurst. manchmal brachte die Frau aus der Bäckerei uns alte Brötchen, die mußte ich sehr lange kauen, meine Zähne waren noch nicht besonders stark.
Nachts fühlte ich mich sehr einsam, ich fror und mein neues Herrchen atmete stinkende Luft aus – Luft, die nach Alkohol roch.
Ich wimmerte leise in sein Ohr, leckte ihm das Gesicht und drückte mich ganz fest an ihn, doch er hörte mich nicht.
Ich jammerte oft in dieser Zeit, denn ich hatte fast immer Hunger. mein Herrchen trank viel aus den Flaschen mit der durchsichtigen Flüssigkeit, danach schlief er immer ein. Ich wollte mit ihm spielen, gewärmt werden, ihn glücklich machen, aber wenn ich ihn aufweckte, ihm meine Zuneigung zeigte, stieß er mich weg und brüllte mich an.
Ich hatte nicht einmal einen Namen in dieser Zeit, er nannte mich einfach nur „Hund“.
War ich wirklich sein Hund ? Oder eher seine Wärmflasche ? Sein Trost in einsamen Nächten ?
Mir ging es immer schlechter, ich hätte meine Mama gebraucht in dieser Zeit, ihre Wärme und ihre Liebe.
Schon bald hatte mein Herrchen keinen Spaß mehr an mir, ich habe einmal in seinem Schlafsack gepinkelt, mir war doch so kalt und ich wollte in der Wärme bleiben.
Mein Herrchen war sehr wütend auf mich, er schlug mich auf den Kopf, packte mich am Genick und schüttelte mich. Er hat es bestimmt nicht böse gemeint, da bin ich mir sicher, er hatte mich doch lieb...
Viele Menschen gingen jeden Tag an uns vorbei, sie tuschelten hinter vorgehaltener Hand, ich merkte, sie mochten mein Herrchen nicht besonders. Wenn ich sie sah, bellte ich sie wütend an, machte mich ganz groß und sträubte mein struppiges, schwarzes Fell. Ich muss sehr gefährlich ausgesehen haben, denn man machte einen großen Bogen um uns. Keiner sollte schlecht über mein Herrchen reden, denn er hatte mich doch lieb, und ich passte auf ihn auf.
Ich lernte schnell, dass ich nicht auf unsere Decke pinkeln darf, aber sonst durfte ich immer machen, was ich wollte, und das machte ich oft, denn Herrchen schlief ja viel. Ich bellte die Leute an, zerfetzte den Müll um uns herum, spielte im Rinnstein und ging auf der Straße spazieren...ich tat alles, um nur nicht an den Hunger und die Kälte zu denken.
An einem kalten Herbsttag bekamen wir Besuch: eine nette Dame kam zu uns und wollte sich mit Herrchen unterhalten. Sie zeigte ihm ein Stück Papier und sagte, sie sei vom Tierschutzverein und würde mich gerne einmal ansehen.
Ich merkte gleich, dass die Frau Herrchen nicht ganz geheuer war, und bellte sie an.
Sie lächelte und nahm mich auf den Arm, zum Dank pinkelte ich ihr erstmal auf die Jacke. Das ist mir heute etwas peinlich, denn die Frau war sehr nett zu mir, sie schenkte mir einen kleinen Ball und einen Hundekeks und streichelte mich unterm Bauch.
Sie redete lange mit Herrchen, während ich im Rinnstein mit meinem neuen Ball spielte. Irgendwann gab die nette Frau meinem Herrchn einen Geldschein, und er lächelte sie freundlich an.
Wieder verlor ich mein Herrchen, allerdings sollte diesmal alles besser werden.
Die Dame vom Tierschutzverein hatte mich „freigekauft“, und nahm mich mit ins Tierheim.
Bevor wir dorthin fuhren, brachte sie mich zu einem Tierarzt, der gucken sollte ob mit mir alles ok ist.
Ich war noch nie Auto gefahren, aber ich hatte gar keine Angst und guckte die ganze Zeit aus dem Fenster, aber mir war doch ein bißchen schlecht von der Ruckelei, und ich musste mich übergeben.
Der Arzt war sehr nett zu mir, er horchte mich ab, schaute mir in den Mund und in die Augen und drückte mich überall. Dann sagte er ich sei etwas unterernährt aber ansonsten gesund und gab mir eine Spritze.
Das hat ziemlich gepiekst und ich habe ein bisschen gequiekt.
Er steckte mir auch bittere Pillen in den Mund, aber ich hab sie gleich wieder ausgespuckt. „Der Kleine ist völlig verwurmt“ sagte er, steckte mir die Pillen wieder in den Mund und drückte ein bisschen auf meinen Hals. Vor Schreck hab ich die bitteren Dinger gleich verschluckt – aber er gab mir einen Hundekeks und ich war ihm garnicht mehr böse.
Die nette Dame brachte mich dann ins Tierheim, wo viele andere Hunde waren, die weinten und bellten, weil sie alle kein Herrchen mehr hatten – so wie ich.
Ich bekam meinen eigenen Zwinger und eine große Portion Hundefutter, die ich in einer Minute aufgegessen hatte. Danach habe ich furchtbaren Schluckauf bekommen und alles wieder ausgespuckt. Es hat aber niemand mit mir geschimpft, alle im Tierheim waren furchtbar lieb zu mir und ich bekam ein paar Gemüseflocken mit Wasser – mein Magen war richtiges Futter noch nicht gewohnt.
Am nächsten Morgen musste ich noch einmal die bitteren Pillen schlucken, und diesmal habe ich sie auch garnicht ausgespuckt, denn sie waren in einem Stück Wurst versteckt und ich hab sie aus Versehen mit runtergeschluckt.
Später kam dann eine Frau, die mich aus dem Zwinger holte. Sie blickte mich freundlich an und sagte „So, dann suchen wir dir jetzt ein ganz tolles Zuhause, kleiner Schatz“
Ich wedelte begeistert und pinkelte ihr vor lauter Aufregung auf den Pullover, und sie lachte wieder und drückte mich ganz lieb.
Damals war ich sieben Wochen alt, noch ein richtiges Baby.
Wir fuhren mit dem Auto in eine andere Stadt, und die Frau nahm mich mit in ihr Haus. Dort waren noch andere Hunde, sie lagen in einem warmen Zimmer in Körbchen und hatten viele Spielsachen und jede Menge zu essen. Alle wollten mich gleich beschnüffeln und ich bellte sie an, bis ich merkte, dass die eigentlich ganz nett waren.
Als erstes habe ich einen der großen Futternäpfe leergefressen, das war aber nicht so gut denn hinterher war mir wieder ganz doll schlecht, aber gespuckt habe ich nicht mehr !
In der Nacht habe ich das erste Mal richtig glücklich geschlafen, auf einer kuscheligen Decke in einem der großen Körbchen, und ich habe nicht mehr von alten Brötchen, stinkendem Alkohol, Kälte und Hunger geträumt, sondern von Wärme und Geborgenheit und lieben Menschen.
Am nächsten Morgen habe ich einen riesigen Haufen mitten ins Zimmer gemacht und direkt danebengepinkelt...ich war furchtbar stolz, dass ich nicht in mein Körbchen gemacht hatte !
Meine Pflegemutter fand das anscheinend auch ganz toll, sie machte alles wieder sauber und kraulte mir dann den Bauch.
Ich bekam auch ein eigenes Halsband, und durfte mit den anderen Hunde spazieren gehen. Ich freute mich aber sehr, als ich wieder ins Haus durfte, denn draußen war ich lange genug.
Mir gefiel es sehr gut in dem Haus, ich hatte viele andere Hunde zum spielen und immer genug zu essen und zu trinken.
Eines Abends kam ein junges Paar und schaute zu uns Hunden ins Zimmer. Sie blickten von einem zum anderen, und ich lief gleich zu ihnen hin und sprang an ihren Beinen hoch.
„Den nehmen wir“ sagten sie und der Mann hob mich hoch auf seinen Arm. Ich leckte sein Gesicht ab und freute mich ganz doll – er roch gut nach Parfum und Essen.
Die Beiden unterschrieben einen Zettel und gaben der Frau Geld. Sie zwinkerte mir zu und sagte „siehst du, mein Kleiner, so schnell geht das“
Das nette Paar nahm mich mit zu sich nach hause, in eine große, saubere Wohnung mit hellen Ledermöbeln und cremefarbenen Teppichen. Ich bekam ein Körbchen, viele Spielzeuge und einen großen Futternapf für mich ganz alleine.
Sie hatten auch einen Menschenwelpen, aber den durfte ich nicht berühren, denn ich bin ja ein Hund und Hunde sind schmutzig und übertragen Krankheiten.
Ich wurde oft gebadet in dieser Zeit, mit Shampoo dass nach Blumen roch, denn ich soll fürchterlich gestunken haben, und das darf man nicht !
Die ersten Tage habe ich fleißig im Wohnzimmer meine Häufchen gemacht, aber mein Frauchen fand das garnicht gut und hat mich immer ausgeschimpft und mich mit dem Wischer weggeschubst.
Woher sollte ich denn wissen, dass man sein Geschäft draußen machen muss ? Es hat mir doch nie jemand gesagt !
Ich durfte dann nur noch in der Küche schlafen, weil da kein cremefarbener Teppich war, den ich schmutzig machen konnte. In der Küche war mir etwas langweilig, also habe ich etwas an den Möbeln und an meinem Körbchen geknabbert, und die ganze Küche mit lustigen Holzstückchen dekoriert.
Ich war so alleine in diesem großen, weißen Raum, also habe ich ganz laut geweint, und mein Herrchen kam dann auch ganz schnell in die Küche gerast. Als er das angekaute Körbchen und die Möbel sah wurde er ganz furchtbar böse, schrie ganz laut und wurde seltsam rot im Gesicht. Er packte mich im Nacken und schüttelte mich sehr grob. Ich bekam furchtbare Angst und pinkelte unter mich.. Herrchen wurde noch böser, er nannte mich „Scheißköter“ und schleifte mich in mein zerkautes Körbchen. Mir tat sein Griff sehr weh und ich wehrte mich mit meinen kleinen Pfoten gegen ihn und zwickte ihn in die Hand, damit er mich wieder losläßt.
Dann kam mein Frauchen durch die Tür und schimpfte auf mich ein. Ich bekam noch mehr Angst und knurrte sie ein bisschen an.
Ich verstand nicht, was sie so aufregte, denn ich wollte ihnen doch gefallen, ihr lieber, kleiner Hund sein.
Sie gaben mir keine Gelegenheit mehr, ihnen zu zeigen, was für ein toller Hund ich bin...
Durch die Küchentür hörte ich sie über mich reden, gefährlich nannten sie mich aggressiv, eine Gefahr für den Menschenwelpen.
Gefährlich ? Ich ? Ich war doch noch ein Baby, grade mal acht Wochen alt !
Ich verstand die Welt nicht mehr, schon nach 4 Tagen sollte ich mein neues Zuhause wieder verlieren.
Warum ? Weil ich ein ganz normaler Welpe war, noch nicht stubenrein und ein kleines bisschen zu neugierig...
Aber wohin mit dem lästig gewordenen Hund ? Die nette Dame vom Tierschutzverein war im Ausland, anderen Hunden helfen...also wieder ins Tierheim ?
Meine Leute telefonierten, fanden schließlich die „Vertretung“ meiner letzten Pflegestelle vom Tierschutzverein. Ich wurde wieder ins Auto verfrachtet, eine kurze Fahrt, und ich stand vor meinem nächsten Zuhause.
Mein Herrchen klingelte an der Tür, und ich hörte auf der anderen Seite eine tiefe Stimme bellen...oh je, da wohnte schon ein anderer Hund...
Eine Frau öffnet die Tür, sie bittet uns herein und blickt mich neugierig an. Von einem gefährlichen Hund hat man ihr am Telefon erzählt, hoch aggressiv und eine Gefahr für die Familie.
Mein Herrchen gibt mich ganz schnell der Frau auf den Arm, er will mich loswerden, je schneller, desto besser.
Er redet viel und laut, berichtet von meinen Untaten und mein Frauchen nickt hektisch..
Die Frau blickt die Beiden desinteressiert an und nickt resigniert – sie scheint mir etwas genervt zu sein, komplementiert meine Leute freundlich aber bestimmt zur Tür hinaus.
Ich glaube, sie ist traurig, denn sie guckt mich lange ganz groß an – und fängt plötzlich an zu lachen !
Der große Hund kommt um die Ecke geschossen, er hat ein vollgesabbertes Spielzeug im Maul und wedelt mir freundlich entgegen.
„na mein Junge, willst du mal eine 8 Wochen alte, 2 Kilo schwere Kampfratte sehen ? Sei aber vorsichtig, der Kleine ist gefährlich“.
Sie setzt mich auf den Boden und ich pinkele ein bisschen – bin etwas aufgeregt...
Der große Hund legt mir sein Spielzeug vor die Füße und guckt sein Frauchen blöd an. Sie nickt „ja, Schwachsinn ist das, wie recht du hast“.
Der Riesenhund zeigt mir mein neues Zuhause – unser Körbchen, unser Spielzeug, unser Essen...
ich darf sogar sein Wasser austrinken, und es auf dem Fußboden verteilen, keiner schimpft mit mir.
Jeden Tag üben wir ein paar Sachen, die Hunde können müssen: Sitz, Platz, bei Fuß gehen... Ich kann das noch nicht so toll, aber das macht garnichts, wir trainieren fleissig weiter, mit ganz viel Spielen und Schmusen zwischendurch.
Ich gehe jetzt sogar in die Schule – eine Schule extra für Hunde. Frauchen nennt es „Welpenstunde“, und ich treffe dort viele andere Welpen zum Spielen und Rumtoben. Ich soll dabei richtiges Sozialverhalten lernen. Nicht, dass mit mir etwas nicht stimmen würde, nur hatte ich nie die Gelegenheit, den Umgang mit anderen Hunden zu lernen und belle sie deshalb erstmal an.
Mein großer Hundefreund hilft mir auch sehr, er spielt mit mir und bringt mir alles bei, was ich wissen muß: wie man was zu essen klaut, wie man so traurig guckt, dass man Leckerlies bekommt, wie man Mülleimer ausräumt und Schuhe entführt – er ist mein großes Vorbild !
„Stubenrein“ bin ich noch lange nicht, das liegt daran, dass ich es früher nicht so gut hatte, psychisch sozusagen...sagt jedenfalls Frauchen. Aber ich gebe mir alle Mühe ! Manchmal mache ich tagelang nicht in die Wohnung.
Ich habe mein altes Leben jetzt schon teilweise verdrängt, aber einen Knacks habe ich immernoch, ganz tief in meiner kleinen Seele.
Wenn ich beim Spazierengehen Hunde treffe, die auf der Straße leben, und es genauso schlecht haben wie ich damals, zeigt sich dieser kleine Knacks. Ich rieche dann wieder diesen Geruch von Alkohol und Tabak, von Kälte und Hunger, und dann werde ich ganz wütend, belle die Hunde und ihre Besitzer an, obwohl ich eigentlich jeden anderen Hund freundlich begrüße.
Wenn ich etwas angestellt habe renne ich danach immer ganz schnell weg und lasse meinen großen Freund alleine in dem Chaos sitzen (er guckt dann immer ganz doof und schuldbewußt (unter uns: ich glaube, er ist nicht der Hellste, aber nett ist er trotzdem !).
Frauchen erwischt mich aber trotzdem jedesmal, sie sagt immer, sie weiß, dass der Große solchen Blödsinn nicht macht, denn er ist ja kein Baby mehr. (Der Große ist aber so doof, dass er manchmal selber denkt, dass er den Haufen im Wohnzimmer gemacht hat, obwohl es mein Haufen ist)
Frauchen ist inzwischen sehr stolz auf mich, ich habe schon 10 Kilo zugenommen in 4 Monaten und ein tolles glänzendes Fell hab ich auch bekommen, nicht mehr so struppig wie früher. Die wichtigsten Hundekommandos klappen auch schon ganz gut, und das Allerwichtigste: ich habe meine neuen großen Zähne bekommen, damit kann ich jetzt viel besser Schuhe fressen als mit meinen alten Minizähnchen !
Ich bin ein schöner Hund, sagt Frauchen, eine Rennwurst auf Riesenfüßen, und ich weiß, sie hat mich sehr, sehr lieb !
Aber wir haben etwas vergessen: Frauchen arbeitet für den Tierschutzverein, und solange ich da bin, kann sie sich nicht um andere kleine Hunde kümmern, die kein Zuhause mehr haben.
Sie hat versucht mich reinzulegen, mit einem neuen Herrchen, aber ich war wiedermal schlauer !
Sie hat diesmal gut aufgepaßt, dass es auch ein gutes Herrchen ist, sie will nicht, dass ich nochmal enttäuscht werde, weil ich doch ihr kleiner Schatz bin.
Das neue Herrchen kenne ich schon lange, wir gehen fast jeden Tag mit ihm und seiner Hundedame spazieren. Deshalb habe ich mich auch garnicht gewundert, dass er mich mit nach Hause genommen hat, denn da war ich schon oft mit Frauchen und dem Großen.
Erst war es lustig bei ihm und der netten Hundedame, aber ohne mein Frauchen und den Großen war es nicht lange schön...
Eine Woche habe ich durchgehalten, aber dann ging es wirklich nicht länger, ich mußte doch wieder nach Hause, auf Frauchen aufpassen.
Ich habe meinem neuen Herrchen dann sehr deutlich gezeigt, dass ich lieber wieder nach Hause möchte, und er hat es dann gottseidank auch eingesehen, und mich wieder zurückgebracht.
Wir verabredeten uns mit Frauchen zum Spazierengehen, als ich sie sah, rannte ich ganz schnell zu ihr und freute mich wie doof, und wir sind wieder nach hause gegangen mit dem Großen – ich war ja so glücklich !
Ich bleibe jetzt immer ganz dicht bei Frauchen, ich will sie ja nicht nochmal verlieren, nie wieder !!!
Zuhause hat Frauchen mich dann ganz fest gedrückt, und mir gesagt, dass es ihr leid tut, und dass sie mich jetzt nie wieder hergeben will ! Sie war nämlich genauso traurig wie ich, als ich nicht bei ihr war, und der Große auch, er hat kaum was gegessen und wollte auch nicht spielen.
Ich möchte jetzt für immer hierbleiben, in meinem ersten richtigen Zuhause, wo ich Hund sein darf, nicht Wärmflasche oder Dekorationsstück.

Frauchen sagt, sie will alles tun, damit ich für immer bei ihr sein kann, damit sie immer mein Frauchen bleiben kann, und ich ihr Hund – ihr glücklicher kleiner Hund, der schon so viel erlebt hat in seinem kurzen Leben...

© Kristin Stein

vom TSV Calpe