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An mein Herrchen
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Rennst du jetzt auch verzweifelt herum mit wunden Füßen, halbverhungert wie ich und suchst mich? Wenn wir einander wiederfinden, oh, mein Herrchen, wenn wir einander jemals wiederfinden, werde ich deine Hände lecken und keinen Augenblick von deiner Seite weichen. Ich werde mich zerreißen lassen für dich, ich werde dich aus dem Feuer holen und aus reißenden Strömen retten. Mein Leben gehört dir. Aber das weißt du ja, das hast du auch vorher gewusst. Ich bin so unsagbar müde. Wie viele Tage irre ich schon herum? Jetzt nützt auch meine feine Nase nichts. Ich kann die Richtung nicht finden – nicht die nach Hause und nicht die zu dir. Wir sind zu weit gefahren. Erinnerst du dich noch? Ich saß schon im Auto, bevor ein Koffer drinnen war. Mein Herz raste vor Seligkeit. Wir fuhren lange, herrlich lange. Aber dann – mitten im Wald – wie war das denn nur? Du musst schrecklich durcheinander gewesen sein, sonst wärst du niemals ohne mich weitergefahren. Nur – dieser kleine Stubser – ich „musste“ doch gar nicht. Mit diesem kleinen Stubser war ich plötzlich draußen und du bist weggefahren. Mein Herz stand still, dann dir nachrasen bis weißer Schaum meinen Kopf verklebte. In mir war nur: Dir nach, dich wiederhaben. Wie hundsgemein schnell doch so ein Auto ist. Jetzt wirst du traurig sein wie ich, und es schmeckt dir sicher auch kein Fressen. Wir müssen einander wiederfinden! Mein Fell ist nun ruppig geworden. Du wirst es bürsten, wenn wir wieder beisammen sind. Ich bin dünn und elend, mich würde keiner mehr mögen. Ich will auch zu keinem als zu dir. Du weißt wie stark ich war und wie flink, wenn ich nach deinem Stöckchen rannte, und wie ich dich verteidigte, als du angegriffen wurdest. Du warst stolz auf mich. Jetzt, so müde und schwach könnte ich dich nicht mehr beschützen. Aber wenn wir wieder beisammen sind, wirst du mich füttern, mit den besten Leckerbissen, die wir kennen, und ich werde wieder dein „Bester“ sein. Dass ich dich liebe für eine ganze Hundeewigkeit, hast du doch wohl immer gewusst – oder nicht so ganz? Du wirst jetzt schwimmen, wandern und vielleicht lachen. Und ich werde bald verhungert sein. Ohne dich zu leben habe ich nicht gelernt. (mit freundlicher Genehmigung der Autorin Anni Hönninger)
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